PremiereSchauspiel

Titus Andronicus

Rom feiert einen neuen Sieg, doch der Thron steht leer, die Machtübergabe ist unklar. Inmitten dieser politischen Wirren kehrt Titus Andronicus aus dem Feldzug gegen die Goten zurück und bringt deren Königin Tamora als Kriegsbeute nach Rom. Er ernennt nicht nur ein neues Staatsoberhaupt, sondern opfert zugleich auch Tamoras ältesten Sohn. Die Eitelkeit und Arroganz des neuen Kaisers hievt auch Tamora auf den Thron und führt zu einem brutalen Kreislauf von Rache und Gewalt. Nicht ohne Grund gilt Titus Andronicus als das brutalste von Shakespeares Stücken: Mindestens sieben Morde geschehen, nebenbei Schändung, Verstümmelung, Folter und Kannibalismus. Der elisabethanische Autor erzählt die Geschichte um Titus als Parabel auf das im Untergang begriffene römische Weltreich. Der ostdeutsche Autor Heiner Müller schrieb auf das Stück einen Kommentar und blickt von heute auf das archaische Drama und macht deutlich, dass Brutalität weiterhin ein wichtiges Werkzeug ist, auf das die westliche Gesellschaft im globalen Wettstreit nicht verzichten will.

Regisseurin Mizgin Bilmen hat nach ihrer Inszenierung von Malina in der Spielzeit 2017.18 auch hier keine Scheu, mit Wut und Nachdruck den Finger in die Wunde zu legen.