es langt

“... of all things this was the saddest, that life goes on: if one leaves one’s lover, life should stop for him, and if one dissapears from the world, then the world should stop, too: and it never did. And that was the real reason for most people getting up in the morning: not because it would matter but because it wouldn’t.” Truman Capote


1

ich schlage die woz auf und ein schaudern geht über meine haut in meinen körper hinein das hatte ich zuletzt vor ein paar wochen
als ich diesen film geschaut hab mit dem schrecklichen titel „kein mann für leichte stunden“ (warum ich ihn überhaupt anwählte ist eine andere diskussion wert, nur soviel: manchmal sind hinter sehr schlechten titeln wahre goldgruben versteckt imfall!)

jedenfalls: kein mann für leichte stunden ist ein macho mann der mit dem kopf gegen eine laterne knallt hihi und dann die welt andersrum sieht: alle frauen tun das was typischerweise männer tun und tun müssen und umgekehrt. er wird dann maskulinist hihi und kämpft für die rechte der männer und arbeitet als sexy sexboy-assistent in kurzen höschen für eine berühmte schriftstellerin, die ihn als muse für ihren roman benutzt. und so weiter. und so weiter heisst natürlich dass der mann sich in die schrifstellerin verliebt, und sich nicht so recht unterwerfen lassen will, weil er ja noch die alte welt kennt, in der er der war der bestimmte, wie der laden, die liebe, der sex lief. und das macht ihn so spannend und herausfordernd für sie und lässt sie verstehen, dass sie ja auch mal schwäche zeigen können will blablabla kampf der geschlechter blablabla

jedenfalls: man kann sich über den ansatz dieses filmes streiten aber: ABER AM ENDE, AM ENDE BÄM! am ende haut dir der film die faust in die fresse. am ende knallt nämlich die frau mit dem kopf gegen eine laterne und wacht auf und die welt ist wieder andersrum. also so wie sie eigentlich ist, unsere welt, jetzt. und man sieht nur noch wie sie mit weit aufgerissenen augen ungläubig und überwältigt um sich schaut in the middle of the street. und sieht wie frauen sexualisiert werden, sich in enge kostüme zwängen, ihnen gruusig nachgerufen wird, wie sie demonstrieren dafür, ihre sexualität leben zu dürfen und darum - sie kann es nicht fassen - zumindest gopfertammi annäherungsweise denselben lohn zu bekommen wie die männer. und dann black. film vorbei. einfach so: wäm so ist es, kannst dus auch nicht glauben? tschühüss ich lass dich jetzt alleine mit dem schrecken der wahrheit. einfach aufgehört. einfach unterbrochen. zack. au.

ich hatte schauder bis tief in meine knochen bei diesem ende. weil mir einfach klar und deutlich und ohne umweg, überspitzung, verpackung gezeigt wird wie es ist. und weil man überhaupt nicht darauf vorbereitet ist, dass das gemacht wird.
ich war beunruhigt wie schon lange nicht mehr. meine welt so zu sehen in so einem film von dem ich dachte der wär schlecht. ich stand auf dem sofa auf und musste erst einmal eine zigarette rauchen zum durchatmen (ja ich weiss das es nichts nützt „eigentlich“). und dann dachte ich: das ist jetzt so ein moment, den ich nicht vergessen, verdrängen in eine andere hirnecke oder herzregion verschieben, aufschieben, ausschaffen kann. der erwischt mich so kalt, der lässt mich so knallhart und ohne vorwarnung eine brutale ungerechtigkeit der jetzt-zeit erfühlen, dass ich fast erbrechen muss und weiss: ich kann nichts gegen dieses schlimme gefühl tun, ausser was zu tun. mitzutun, dass das nicht das bild unserer zeit ist und bleibt. oder?

jetzt woz: selbes gefühl, schon wieder. anni lanz, 72-jährige menschenrechtsaktivistin, ehemalige geschäftsführerin von solidarité sans frontières wurde angeklagt, weil sie einem herumgeschobenen flüchtling mit schweren posttraumatischen störungen helfen wollte und ihn von italiens kalten strassen, wo er alleine, krank, ohne geld und dach über dem kopf gelassen wurde, retten wollte. sie wird angeklagt, weil sie einen menschen nicht sterben lassen wollte. vor kälte und verzweiflung. er hatte erfrierungserscheinungen!
der staatsanwalt fands schon nett, was die anni getan hat, er hat auch grossen respekt vor selbstlosen menschen sagt er. aha. aber trotzdem sei es wichtig, dass man menschen auch bestrafe bei geringfügigen straftaten, selbst wenn die selbstlos seien. aha. 800 franken busse und 1400 franken verfahrenskosten muss sie zahlen. hätte ämel dem afghanen, der und die polizistin, die sie an der grenze angehalten habe, habe sie ausgeschimpft sagt anni lanz. gesetz vor moral.

ich lese weiter und es kommt noch besser: die schweiz hat geld gespart. juhui. und zwar dank dem dublin-abkommen. die schweiz, in dem geographiegemäss nicht so viele flüchtlinge erstankommend sind, konnte deshalb über die letzten zehn jahre 30’000 menschen ohne prüfung der asylgründe ausschaffen und sagen du ist nicht unser problem weil die imfall nicht hier als erstes angekommen sind. ups. tschuldigung.
die schweiz hat mehr leute rausgeschickt als aufgenommen, was sie zusammengerechnet zu dem europäischen land macht, was am allermeisten menschen rausexportiert hat. die schweiz ist europameisterin im asylexport! YAY! 1.37 milliarden (!) franken gespart in nur vier von zehn dublin-Jahren, weil wir die probleme anderen unterjubeln und so tun als gäbe es sie nicht. so lässig! wir sind das reichste land der welt. wir haben alles. es langt no lang und für vieles. also wer wenn nicht wir könnte sich menschlichkeit leisten?

ich lese das und schäme mich. ich schäme mich. ich schäme mich in neuen dimensionen einer tiefe für mein land. so richtig tief tief. so schaurig schaudrig tief bis in die knochen hinein. da ist er wieder dieser tiefe schauder, der mich in den letzten wochen immer wieder egreift in tieferen tiefen, wo ich sie nicht mehr mit einem aufmunternden gespräch oder einem bier oder ewigem zynismus hinausschaffen kann. meist nach dem lesen einer zeitung mit fundierter und ehrlicher berichterstattung (die ja auch vom aussterben bedroht sind gopfertammi). es reicht nicht mehr.

WEIL DA STIMMT DOCH WAS NICHT!!!????

gespart im asylbereich? während die ganze welt in not ist? gespart im asylbereich? das klingt wie gespart im äh bausektor. nur dass es im sogenannten asylbereich um MENSCHEN geht. MENSCHEN IN SCHLIMMSTER NOT. die nicht einfach mal alle bisschen herkommen wollen um bisschen von unserem goldigen schockireichtum zu kosten weil sie halt neidisch sind wie gut wirs haben weil wir so viel gschaffet haben dafür während die faul in der sonne lagen. die kommen, weil es ihnen hundsmiserabel geht in ihren ländern. weil sie angst haben müssen weil sie etwas zu laut gesagt, gedacht oder gelebt haben. weil sie zufällig der falschen ethnie oder gemeinschaft angehören. oder zufällig frauen sind. oder zufällig homosexuell sind. oder weil sie ihr hirn eingeschaltet haben und sich einsetzen, dass es besser wird und das nicht gern gesehen wird. die nichts zu essen haben. die keine schule haben oder ihnen ihre diplome verweigert werden, weil sie etwas zu laut gesagt gedacht oder gelebt haben. oder weil sie zufällig der falschen ethnie angehören. oder zufällig frauen sind. oder zufällig homosexuell sind. oder weil sie ihr hirn eingeschaltet haben und sich einsetzen, dass es besser wird und das nicht gern gesehen wird. die schweren herzens und voller mut sich auf den weg machen, in der hoffnung etwas besseres zu finden. zum beispiel menschlichkeit, chancen auf ein leben in würde, in akzeptanz ihrer seins als menschen wie alle anderen auch. die sich verabschieden von ihren zuhauses (falls es die noch gibt), ihren liebsten (falls es die noch gibt), ihren leben (falls es die jemals gab) und sich auf wege voller schlimmster gefahren begeben, hungernd, frierend. ich weiss dass wir das eigentlich alle wissen eigentlich und dass ich hier keine neuen infos bringe aber ich hab das Gefühl man muss das wiedermal sagen! laut sagen! und allen sagen!
niemand macht das freiwillig, gopfertammi!
das macht mich so wütend! es macht mich so wahnsinnig wütend!
dass hierzulande so wenige darüber sprechen!
dass hierzulande so wenige über ihren scheiss eingefleischten tellerrand hinauszuschauen wagen!
dass hierzulande sich so wenige aktiv wissen, was alles abgeht um uns herum! wie meinungen gemacht werden! dass berichterstattungen unzulänglich und einseitig und erkauft sind!
und dass unser reichtum nicht einfach ist weil wir eine brave schaffensnation sind sondern weil wir teil der ausbeuterischen weltverhältnisse sind! dass wir nicht einfach länder ausnehmen und noch ein paar waffen hin exportieren können (pf sollen sie selber schauen mit ihrem Krieg, wir sind schon immer neutral und vernünftig und brav und das zahlt sich aus seht her! nein hersehen nicht herkommen mein ich)) und dann ein problem haben, wenn die ausgenommenen menschen herkommen, weil sie auch was von der fetten wurst haben wollen! oder eben kein problem damit haben dass die halt kommen aber auch nicht hinsehen zu den problemen die die hier haben! wie sie weggesperrt werden, wie ihnen steine in den weg gelegt werden, als hätten sie nicht schon genug davon über die sie stolpern mussten.
oder dass dann wenige wenige theaterleute das so eins zu eins ansprechen auf der bühne und dann sagen alle mhm ja das fand ich jetzt schon bisschen sehr radikal, aber das ist halt der stil von diesem regisseur joaaa mag man halt oder nicht und thats it???????

warum geht keine empörungswelle durch alle reihen? wo ist die unterbrechung? das moment mal?
warum geht das leben immer einfach weiter? warum gehen alle immer weiter normal zur arbeit, in die bibliothek, nach hause zu ihren familien weihnachten feiern wie jedes jahr immer wieder gleich mit vielen womöglich teuren geschenken beladen, weil das haben wir schon immer so gemacht?
warum gehts immer einfach weiter, egal was passiert? trump wird gewählt, ja schlimm schlimm. du ich muss los. flüchtlinge sterben. ja schlimm schlimm, muss aber jetzt arbeiten.

warum machen wir immer einfach weiter?

es isch wegem geld
i see
aber losedsi
das langt no lang
aber s ander
langt nüm

ASO WER WÄNN NÖD MIER?


2

warum sind wir, die wir wissen darum, nicht stärker, GRÖSSER, VERNETZTER?

wo sind wir?
wo sind zum beispiel wir theaterkünstler*innen?
wo sind wir künstlerinnen, wenn Anni Lanz verurteilt wird?
wo ist unsere empörung über die 30’000 menschenleben, die unser land ins ungewisse schicksal ausschafft, ohne zu prüfen, aus welchen furchtbaren verhältnissen diese menschen geflohen sind?
wo sind unsere direkten reaktionen?
es reicht nicht ab und zu auf der bühne eine haushälterin aus dem balkan auftreten zu lassen mit lustigem akzent hihi (gespielt NICHT von einer frau aus dem balkan!)
es reicht nicht die welt für sinnlos zu erklären
es reicht nicht foucault zu zitieren im programmheft nein tschuldigung würkli nöd das hat es noch nie
es reicht nicht zu sagen, ich kann othello nicht richtig inszenieren, weil halt zu wenig farbige schauspieler im ensemble sind, ich machs aber trotzdem auch wenn mich dann halt niemand versteht weil sie alle nicht migrantisch sind die anderen und halt nicht wissen wie das ist puhh
es reicht nicht migrantische regisseure einzuladen, wenn wir dann doch wieder hamlet inszenieren mit nur deutschen spieler*innen (ich mag ja hamlet! aber wie kann der was mit uns zu tun haben jetzt hier heute hallo? bitte!)
es reicht nicht theaterstudenten einmal in vier jahren ausbildung einen kurs „politisches theater machen“ anzubieten und sie ansonsten in selbstreferentiellen badewannen oder überkommen theaterformaten herumdümpeln zu lassen, die unter der ewigen marke transdisziplinarität dann doch als neu gelten, auch wenn sie nicht wissen, was sie genau sind und der student dann beim arbeiten doch patriarchale und sexistische kackscheisse reproduziert und es noch nicht einmal merkt (ja ich rege mich wieder auf!) (nichts gegen diese ganzen neuen studiengänge aber ein paar mal öfter klare politische haltungen zu inhalten und sozialer probenstruktur zu fordern wär wirklich wichtig! wo wenn nicht dort, wo sich haltungen noch bilden?????)
es reicht nicht, flüchtlinge gratis ins theater zu lassen und sagen du wir sind ja offen für die aber die kommen dann doch nicht in scharen (ja gut wenn die stücke auf deutsch sind???)
es reicht nicht einmal im jahr ein stück über migration von jelinek (ich liebe jelinek!)
es reicht nicht ein paar autor*innen und theatermacher*innen die sich den themen stellen als aktivistisch zu labeln und immer dieselben zu den tablerounds einzuladen
und politisches theatermachen so zu behandeln als wäre es ein bestimmter stil, den man sich wählen kann wenn man sich traut aber man kann auch sagen du ich bin mehr der poetische typ oder körper im raum typ oder so (hä??) wie so ein schmuckstück kann man das label tragen oder sich auch gerne für ein anderes design entscheiden je nach geschmack!?
das ist aber kein geschmack das ist eine nötige haltung zur welt, als künstler*in sowieso, die in jedem format und in jeder menschlichen interaktion platz findet und finden muss! alles andere reicht nicht mehr! eifach nöd!

es reicht einfach nicht mehr!
es ist gut und gut gemeint und ich schätze das und ich weiss es ist schwer
und ich bin nicht gescheiter als irgendwer
aber es reicht einfach nicht mehr
die welt geht zu grunde, menschen sterben vor unseren türen
und die meisten kriegen das nicht mal mehr mit

es reicht
es reicht einfach nicht
mehr
brauchen wir
mehr
mehr von den geschichten hören und teilen
mehr reden
mit mehr
mit vielen
mit viel viel viel mehren


das mag alles kindlich klingen und naiv aber ich weiss jetzt was lukas bärfuss (honor!)
meinte vor ein paar jahren, als er gesagt hat, schweizer künstlerInnen seien nicht mehr politisch genug. oder sagen wir: ich wusste es da schon, aber jetzt fühl ich es in die knochen hinein. und ich habe den stürmerischen drang das zu ändern. wir müssen stärker werden, grösser, gemeinsamer. wir müssen uns vernetzen in eine dimension in der wir auch normale fortgänge unterbrechen können, wenn es nötig ist. dass es nicht einfach immer weiter geht.

warum zum beispiel machen nicht alle theater dieses landes (und alle museen und alle kinos und und und) am nächsten samstag mitten in der show einen stop und erzählen von Anni Lanz oder den ausschaffungszahlen? oder lassen einen flüchtling erzählen? oder eine frau in ihren ungleichen verhältnissen? ohne pi pa po und licht und ausstattung die geschichte erzählen auf der bühne auf dass sie ins ohr und in die herzen gehen!?
einfach unterbrechen. aufhören. anhalten. einfach aufhören mit dem weitermachen. film stoppen, stück stoppen, konzert anhalten und reden. so dass alle menschen im ganzen land die am samstag abend irgendwo irgendwas kulturelles (ich wage das wort) konsumieren dasselbe erlebten. was sie verbindet mit allen anderen. bei dir auch so was komisches passiert während dem filmstückkonzi? ja voll. ah bei dir auch? krass. meine cousine auch in st gallen. das müssen ja voll viele sein, die da mitmachen, wenn das überall im land … wer sind denn die? das ist echt jetzt mal ne neue nummer…!?
und das wärs eben!
man fühlte sich verbunden und stark! weil viele! überall! gleichzeitig! aufhören! und: man könnte die aktion nicht abtun als die idee von ein paar „superradikalen“ „politischen“ künstler*innen.
nein das sind viele, sehr viele, vielleicht alle künstler*innen sogar dieses landes, die mit denen wir uns auch gerne schmücken. und wenn erst das theater brennt, zieht das feuer auch rüber zu den anderen häusern oder wir müssen uns was neues überlegen. das werden wir dann sehen.
aber wir müssen anfangen über grosse pläne zu reden und nicht so tun, als würde das alles nicht passieren oder als müssten wir auf die nächsten eingabetermine warten, um ein projekt einzugeben, wsa dann nach zweimaliger ablehnung dann doch gefördert wird und dann drei jahre später auf die bühne kommt, wo die der realpolitische bezug schon lange vorbei ist.
wir müssen anfangen über grosse pläne zu reden statt uns um das schöne herstellen eines schönen dossiers zu kümmern (kümmern zu müssen)
statt bei einer jury um unterbezahltes geld zu betteln
statt sich mit aufsichtsräten rumschlagen zu müssen die sich in ihren sesseln gefallen und nicht aufhören dieselben patriarchalen undemokratischen zustände zu reproduzieren (ich reg mich schon wieder auf! wüki! es gibt so viele gute theatermacher*innen, die so viel kraft und intelligenz und empathie und menschenliebe haben und so viel vom theater wollen und alles dafür tun würden, es möglich zu machen, denen so viele steine in den weg gelegt werden, es ist wirklich zum kotzen traurig)

und das argument
das läuft halt so kann man nüt machen
zählt imfall nicht
weil wenn alle keine schönen dossiers mehr schreiben und niemand gewillt ist für jede eingabe eingabefelder mit anderer zeichenanzahl umzuformulieren und tageweise arbeit investieren dafür die man so gut für andere dinge nutzen könnte
wenn sich niemand mehr an die regel hält dass eine vorstellung so und so ablaufen muss und eine eingabe so und so dann kriegen die geldgeber und kommissionen und die räte alle probleme weil gar keine künstler*innen mehr sich artig bewerben und artig im rahmen bleiben und dann muss nämlich reagiert werden
die schweiz will ja kultur fördern! wir haben ja das geld! niemand kann so schick gefördert so frei seine meinung sagen! ich sag nicht dass das alle die probleme lösen würde, aber es würde uns mal alle freimachen für neue ideen und strukturen. das ist es ja was ich meine: wir müssen einfach mal aufhören alle immer weiterzumachen. wir müssen GEMEINSAM aufhören weiterzumachen. stoppen, anhalten, streiken, verschnaufen, ausbrechen, austauschen, reden. das aua mal zulassen.

warum machen wir es nicht?
isch es wegem geld?

ja! wenn das publikum nüm kommt kommt auch das geld nüm und dann können wir grad aufhören weisch. wir künstler*innen leben am existenzminimun und brauchen alles was wir kriegen können. ich weiss. me too.
i see
aber losedsi

niemand ist so save wie wir
wir werden nie hungern
wir werden nicht auf der strasse sterben
wir werden nicht ins gefängnis kommen für das was wir sagen oder helfend tun (mhm wobei.. siehe oben)
das langt no lang
aber s ander
langt nüm

ASO WER WENN NÖD MIER?


3

das alles meint kein früher war alles besser und keine romantisierung der armut von uns künstler*innen
nein und nein ich habe nicht lange darüber nachgedacht was ich hier schreibe und nein ich kann jetzt grad nicht im detail sagen wie ich mich einordne im diskurs politischer kunst seit den 60er Jahren oder seit wann ich mich als feministische autorin bezeichnen würde und inwiefern ich institutionskritisch bin oder mich der freien szene zuordne obwohl ich auch am stadttheater … ob ich politische künstlerin hab als label oder nicht
I DON’T CARE!!!
ich hab einen impuls verspürt
und losgelegt
ich will meinen arsch hochheben und mich den ungemütlichen dingen stellen
und ich will mit euch darüber reden uns austauschen überlegen was wir tun können und müssen
und vor allem:
zusammen stark werden zusammen rausfinden zusammen sein zusammen tun! sich treffen, austauschen, in kontakt sein, damit wir landesweite unterbrechungen hinkriegen! o.ä! schweizer netzwerk politisch aktiver künstlerInnen!
kurz SNPAK
oder schöner
S’PAK!

hiermit gegründet.

S’PAK wer macht mit?
i mean it! who’s in?
wer hat auch grad wieder öfter diesen schauder und immer tieferen?
wer weiss und will auch nicht allein und meint gross?

JOIN ME PLEASE IMPULSIVE OR NOT und WEBEN WIR DAS NETZ! IMMER DICHTER! UND LEGEN WIR ES ÜBER DIESES LAND!

es ist ja eigentlich alles schon da
und wir kennen uns doch alle schon in diesem kleinen land
wir haben doch alle unsere handynummern und emailadressen!
oder unsere freunde oder spätestens die freunde der freunde haben die handynummern und emailadressen!
garantiert!
wir alle haben doch mit allen irgendwie schon geredet geküsst oder geschlafen und der die das ist befreundet mit der die das dem bruder oder spätestens der cousine ja eh! i mean it!
wir kennen uns ja alle schon
wir sind ja schon ein netz
wir müssen es nur aktivieren
es langt

und das hier
das ist ein anfang
ein lächerlicher vielleicht
aber einer
der die frage wer bist du schon? was kannst du kleines mensch schon? aushebelt und aus dem repertoire streicht

was noch?

mail me!

spak@gmx.ch


Was für ein Leben
eine kleine Ode an die Beiz


Kaffeeklatsch
Klatschnerv
Nervliebe
Liebestod
Todeserbse
Erbsenprinz
Prinzentraum
Traumaufwach
Aufwachkaffee

Mittagspause
Pausenabenteuer
Abenteueraugen
Augenaustausch
Austauschsaft
Saftverkehr
Verkehrspanne
Pannenflucht
Fluchtmittag

Kuchenvitrine
Vitrinenscan
Scanmagen
Magenwunsch
Wunscherfüllung
Erfüllungübertreibung
Übertreibungsfurz
Furzkuchen

Feierabendbier
Bieralltag
Alltagskrise
Krisenausbruch
Ausbruchsdrang
Drangverlorenheit
Verlorenheitskollegen
Kollegenfeierabend

Trinkspruch
Spruchnot
Notpose
Posenhirsch
Hirschkuh
Kuhfleisch
Fleischeslust
Lustangst
Angstdrink

Tafelrunde
Rundenmüdigkeit
Müdigkeitsignoration
Ignorationsweisswein
Weissweinhoch
Hochzeit
Zeitnot
Notsex
Sextafel

Familienznacht
Znachtritual
Ritualkind
Kinderbakterien
Bakterienspaghetti
Spaghettikotz
Kotzfamilie

usw.


Eine neue Ähra

Bin gleich wieder da.
Ich hole nur schnell die Requisiten vom Progr rüber.
Sag ich.
Guten Mutes und ohne zu ahnen, dass das gar nicht so einfach werden wird.
Ich komm unten schon wieder rein da seitlich bei der Glastür oder?
OUU nein das ist schwierig. Sagen die TechnikerInnen. OUU ähm du kennst dich nicht aus im Haus hier? Aha!
Fragen sie, als ob sie nicht wüssten, dass sie mich noch nie gesehen haben im Leben und wir gerade zum ersten Mal zusammen arbeiten.
Wobei…

OUU das ist wüki nicht einfach. Mhm.. also am besten.. also Treppe runter dann links, dann rechts, dann links, dann hinter der Bühne durch oder warte, proben die gerade? Du da müsst ich schnell jemanden anrufen.
Nein nein. Ich winke ab. Schon gut, ich schaff das schon.
Das wird doch nicht so kompliziert sein. Denk ich mir. Typisch Stadttheater. Gross und kompliziert wenns doch auch einfach ginge. Denk ich mir vorurteilsbeladen wie ich freie Szene-gewöhnte, -verliebte und -geprügelte dann doch bin.
Ausserdem war ich schon mal hier so vor zehn Jahren ungefähr. Ja da hab ich mal ein Praktikum hier gemacht. Hab ich vorhin auch allen schon rumerzählt so zum connecten. Also dass ich jetzt sozusagen nicht ganz neu bin hier sondern eher so back to the Roots oder so irgendwas.

Ich werde das schon finden, sag ich stolz und selbstbewusst und weiss, dass die das auch ein bisschen von mir erwarten so eine Art Haltung.
Auch vorhin, als ich ankam und 2 LichttechnikerInnen und 2 Tonmenschen bereits seit fünf bis zehn Minuten darauf warteten von mir, die natürlich fünf bis zehn Minuten zu spät war, klare und zielgrade Anweisungen zu bekommen für das Einrichten.
4 TechnikerInnen nur für mich! Wow! Okay! Never had THAT before.
Und diese vier TechnikerInnen arbeiten jetzt also da für meinen Abend und klettern im Raum herum und rufen mir zu also bis gleich und dies ein bisschen skeptischer als ich mir das gewünscht hätte nach meinem selbstbewussten und stolzen Bis Nacher!
Als ob das so schwierig wäre! Come on! Der Progr ist 400 Meter entfernt! Maximum!
(Das ist ja auch das tolle hier in diesem kleinen Bern: alles next door, alles befreundet oder sonstwie verbandelt jaja)

Hinweg: no Prob. Hab ich doch gesagt.
Dann Rückweg, diesmal beladen mit 4 Wolfsmasken und einem grossen Plastikgartenzwerg (warum, das erklär ich ein andermal: nur soviel: Ich habe diese Sachen schon von Zürich nach Kalsruhe nach Köln nach Zürich nach Berlin nach Zürich nach Bern geschleppt und JEDESMAL aber wirklich JEDESMAL wenn ich damit unterwegs bin REGNET ES. Und ja, die Masken sind aus PAPIER und ja auch jetzt regnet es!)
Ich werde von Bauarbeitern angequatscht hast deinen Mann dabei he? Dein Plastikmann?
Hehe.
Jaja immer dabei den Mann sag ich
und denk mir die haben eigentlich schon ganz schön viel verstanden von dem Grundkonflikt von dem Stück was wir gleich präsentieren werden, schade kommen die nicht.
Ich überleg mir kurz die einzuladen, schliesslich bin ich für alle ins Theater und Theater für alle egal wo, aber dann bin ich auch schon vorbei und steuere auf den Bühneneingang zu.
Das weiss ich nämlich noch von vor zehn Jahren: Das man dann da so hinten reinkann in das angsteinflössende Riesengebäude. Natürlich. Logisch. Loge.

Hallo!
Hallo?
Die Frau an der Loge schaut mich skeptisch an, aber nicht so als wär sie emotional involviert. Eher so: noch nie gesehen die Person aber ist mir auch egal weil es steht etwas wichtiges auf dem Zettel den ich gerade lese und der braucht meinen ganzen Fokus. Sie fragt mich auch nicht wohin ich will und schaut mich - nachdem ich stehen bleibe und darauf warte, dass sie mich nach einem MitarbeiterINausweis fragt oder sonst irgendwas check-mässiges - fragend an wieso ich denn nicht einfach reinlaufe. Ich bin fast ein bisschen enttäuscht weil so eine Loge das ist doch schon was also das ist also wenn man schon sowas hat so eine Grenze äh nein ein WIE SAGT MAN DEM ein Sicherheitscheck ein äh ein Ufpassen das nicht einfach jeder und jede hier reinlatscht (da hätt ich ja isi die bauarbeiter gleich mitnehmen können) und nur weil ich so ein paar Masken trage heisst das ja noch lange nicht dass

ok
wahrscheinlich sehe ich aus wie eine Kostümassistentin
ich setze also auch ein gestresstes Gesicht auf
ein Assistentinstressgesicht
das kann ich das kenn ich von früher von hier
Und sage: ich muss DRINGEND in die Mansarde.
Sie sagt: aha. gut.
Aha? Gut? Sie fragt nicht mal wer ich bin? Ob ich da hin darf kann soll es überhaupt ERLAUBT ist für mich. Ich bin wirklich enttäuscht. Ich dachte immer das ist so ein Bollwerk, so ein Palast, so ein untouchable VIPdings so ein du kommst da nur rein wenn du den und den kennst diese Hütte äh also dieses Stadttheater. ABER NICHTS!

Und nicht mal als ich frage wie komm ich denn dahin bitte? Und sie merkt, dass ich keine Ahnung von dieser äh Hütte habe
sprich neu hier bin
(also fast)
nicht mal dann wird sie irgendwie skeptisch
ICH MEINE ICH KÖNNTE EINE EINBRECHERIN SEIN?
EINE SPIONIN? (remember.. freie Szene..)
EINE BRANDLEGERIN EINE REVOLUTIONÄRE ZELLE EINE
Wobei, ok wer bricht ins KTB ein? Wer würde einen Flächenbrand auslösen wollen?
UND WOZU?

An dieser Stelle eine kleine Beichte: Ich habe tatsächlich was geklaut an diesem meinem ersten Tag. Und zwar eine Ähre. Ja eine Ähre. Eine FAKE-ÄHRE. Eine Fakeähre aus einem Fakeährenstrauss, der in einer Kiste in einer Ecke in einem der alle sehen gleich aus-Gänge im 1., 2. oder 3. UG (das ist es ja! so viele UGS!) stand und zu mir sprach: Nimm mich mit! Ich bin alles was du nicht willst und ich werde dich immer daran erinnern!

Ich hoffte wirklich dass die von der Oper ist. Nichts gegen die Oper. Aber da bin ich nicht so emotional involviert wie beim Theater. Und da sind die emanzipatorischen Treppen noch nicht so richtig weit hochgestiegen worden, als dass man die übelst wieder runterfallen könnte. (JA DAS IST EINE AUFFORDERUNG)

Ich hoffe wirklich dass die von der Oper ist diese Ähre.
Denn wenn ich mir vorstellte, dass ein Stück gespielt würde, in dem eine Fake-ÄHRE, also eine ÄHRE AUS PLASTIK MIT FARBE DIE SO HERGERICHTET WURDE DASS SIE MÖGLICHST SO AUSSIEHT WIE EINE ECHTE ÄHRE AUS EINEM ECHTEN FELD AUS DER REGION FÜR DIE REGION
dann würde mir der schweiss definitiv runterlaufen aus allen Poren auf den Boden des 1. 2. oder 3. UGs. Denn das würde so in seinem ganzen Wesen allem widersprechen woran ich im Theater glaube oder eben: alles repräsentieren, was ich am sogenannten klassischen Repräsentationstheater nicht mag und warum ich zehn Jahre auf anderen Booten segelte. Okay wenn eine Person dafür bezahlt wird und dafür einen Job hat, dass sie so Ähren bastelt und anmalt, dann ok. Ein proletarisches Ok.
Aber wozu eine Ähre auf der Bühne? Noch dazu eine falsche? Wer sollte das tun? UND WOZU? Wozu ausformulieren? Abbilden? Geld investieren für ein Abbild von etwas, was da draussen vor der Tür vor dem Fenster steht und ist? Man könnte doch einfach rausgehen? Oder zu einer Gabel sagen: Hallo, meine liebe Ähre? Oder zu einem Nichts in der Luft: Schau da die Ähre? Und voila! Geld gespart und Phantasiemuskel trainiert. Merci.
Ausserdem und das ist es eben: WER sollte eine Ähre über die Bühne tragen? Was für eine Abbildung von einem Jetzt-Mensch würde durch eine Fake-Ähre anständig repräsentiert??
Eben.

So hoffte ich da im 1, 2, oder 3. UG mit Schweiss auf der Stirn inbrünstig, dass die Ähre aus einer vergangenen Ära stammte und in dieser Kiste lag, WEIL SIE AUSGEMUSTERT WURDE. Und dass sie nie wieder in einem Korb an einem Arm von so einem Blumenmädchen mit Körbchen über die Bühne getragen werden würde. Von so einem lieben Ich will einmal auch Bühnenstar werden deswegen darf ich als-Deko in der grossen Inszenierung neben den Stars einmal seufzend vorbeilaufen einmal in einer vier Stunden Inszenierung über die Bühne huschen und mit der Ähre winken mit meinem eng geschnürten Kleid die Bauernromantik verkörpern die Einfachheit der Bauersleute und im schlimmsten Fall auch noch die Fruchtbarkeit-Mädchen! (und das wahrscheinlich ohne Bezahlung weil es ist eine Investition in meine grosse Zukunft hat der Mann am Chefposten gesagt)

Das mit dem Bauernmädchen ist natürlich eine Unterstellung. Aber eine durchaus berechtigte in Anbetracht der Geschichte des Theaters und der neueren dieses Hauses. Und also hoffte und betete ich da unten im 1.,2, oder 3. UG und schlug mir mit der Ähre ein paar Mal kasteisch auf meinen Rücken. Ich hoffte, dass die Emanzipation definitiv einzieht hier bis in den letzten Winkel jedes UGs. Allerspätestens jetzt wo die Bauernmädchenähren ausziehen. Und der Chef ausgezogen ist. Oder sagen wir ausgezogen worden ist. Und die Themenachse Theater Macht Frau Mann in den Köpfen aufgebrochen worden und jetzt ready ist fürs neu Zusammensetzen! GEIL! ICH FREU MICH!

Und also nahm ich sie mit die Ähre, um mich an all das stets zu erinnern und ein Exempel dabei zu haben. Im Falle eines Aufstandes oder so...

Und zurück in die Mansarde.
Aber WIE DENN JETZT?

In die Mansarde? Die Frau an der Loge ist noch immer nicht skeptisch!
Und ich bin wirklich enttäuscht und gleichzeitig schleicht sich da ein neuer Gedanke ein: Wenn man da einfach so reinlaufen kann, dann… mhm… ich bekomme Ideen, die darüber hinausgehen Bauarbeiter mitzunehmen … Und die was mit der Ähre zu tun haben könnten und dem kommenden Aufstand und

Jetzt unterbricht sie mich. Als ob sie meinem Gesicht angesehen hat, dass ich teuflische
Dinge denke.
In die Mansarde wollen sie? OU das ist schwierig. (Nicht schon wieder!)
Also am besten Lift runter nehmen ins 3. UG dann links dann wieder links und dann rechts und dann zum nächsten Lift und mit dem hoch in den dritten Stock. Ich bedanke mich und gehe los. Und finds doch langsam gut zu wissen, dass man hier einfach reinlaufen kann mit einem Gummizwerg und niemand wird skeptisch.
(Vielleicht seh ich aber auch einfach zu seriös aus. Oder sie haben bei der letzten Mitarbeiterversammlung mein schreckliches Spielzeitheftfoto (Ps geschossen von einem Mann der die Achse Mann Macht Frau auch noch nicht ganz verstanden hat rumgezeigt und gesagt DAS ist die NEUE, OBACHT
mhm
wahrscheinlich nicht
schade eigentlich
ich hätte schon gerne so einen OBACHT- ruf...

Und es kommt was kommen musste: ich irre im 3. UG herum. Viele Gänge. Graue Gänge. Scheisse. Aber das war dann eben der Moment wo ich die Ähre fand. Und fast erwischt wurde. Aber: Gott sei Dank, endlich Menschen. Hallo ich suche die Mansarde. Aha. Ja. Komm mit. Ein sehr netter Mann. Ich witzle rum um diese wir laufen in engen grauen Gängen beengende-Stimmung aufzulockern: uh das ist ganz schön kompliziert bei euch.
Hab mich total verirrt. Ach was sagt er. Auch er fragt nicht nach.
Also sag ich: Ich bin eben neu hier. Aha. sagt er. Und mehr nicht. Schon wieder.
Aber dann wird ihm vielleicht die zwei unbekannte laufen in engen grauen Gängen beengende-Stimmung auch unangenehm und er fragt endlich: Was machst du denn? Ich bin Hausautorin. Also die neue. Die neue Hausautorin.
Aha. sagt er wieder. Und lacht. Und es ist klar, er hat noch nie gehört, dass es sowas an diesem Haus gibt. Hausautorin. Hihi. Sitzt die im Haus? Wohnt die hier? Hihi.

Er bringt mich vor die Tür des Lifts. Und der Weg war WIRKLICH kompliziert, so dass ich mir kurz ernsthafte Sorgen mache, ob die Ähren den Weg überhaupt raus in die Müllabfuhr finden werden!??

Merci viaumau sag ich auf Berndeutsch und bin wirklich sehr dankbar, dass dieser liebe Mann mich gerettet hat aus den Fängen in KTB-Gängen. Er freut sich. Keis Problem. Tschühüss. Dann dreht er doch nochmal um und sagt (endlich!) wie heisst du? und ich bin mir nicht sicher ob er es einfach nett findet oder plötzlich denkt: im Fall der Fälle wäre es gut zu wissen, wer die Person ist, falls ich die fälschlicherweise in die Mansarde geführt habe und am Ende ist die eine Einbrecherin oder eine Requisitenklauerin oder eine Brandlegerin oder sowas. Weil Hausautorin? Seriously?

Julia und du? Er lacht sehr freundlich und erleichtert, als ob mein schöner Vorname seine Skepsis weggewischt hätte und schüttelt mir die Hand. Technikabteilung sei er. Bis bald gäu. Wirklich nett. (Ich war ja schon immer am meisten Fan von den Technikern, aber das ist ein eigenes Kapitel wert)

Zurück in der Mansarde, wo meine Bühne, auf der ich mich gleich vorstellen soll, die neue Hausautorin, die fast zum ersten Mal hier und so, schon wunderschön beleuchtet strahlt und sagt: ich bin bereit für dich. Bist du bereit für uns?

Und? Weg gefunden?
Ja kein Problem sag ich. Muss mich nur noch bisschen an die Grösse gewöhnen hier. Ich lache. Sie lachen nicht die TechnikerInnen. Sie verstehen meinen Ich komme aus der freien Szene und bin zum ersten Mal an sonem fetten Haus mit so rotem Samt und goldenen Lampen und unterirdischen Gängen und Fake-Ähren-Groove nicht. Jedenfalls wundern sie sich nicht, nicht so wie ich. Sie sind ein eingespieltes Team. Sie wissen Bescheid. Sie sind organisiert. Sie sind Rädchen in einem gut funktionierenden Schiff, das (abgesehen von Reibungen an der Spitze (siehe letzte Wochen/ Monate/ Jahre) ziemlich reibungslos übers Berner Meer fährt.

Sonst kannst du nächstes Mal anrufen sagt sie noch liebevoll die Technikerin. Also nicht auf unsere Privatnummern nein das nicht (OU DA KÖNNTE SICH DIE FREIE SZENE FREIZEITTECHNISCH WAS ABSCHNEIDEN!!).
Weil weisst du hier sind überall so Telefone, siehst du die? INTERNE TELEFONE. Damit kann man überall im Haus hin anrufen. In alle Abteilungen. Und sie sagt das Wort Abteilungen so, dass klar wird, dass es SEHR viele davon gibt.
Das interne Telefonsystem. Kann man jederzeit und überall benutzen. Ganz einfach. Jetzt bin ich definitiv beeindruckt. KTB, doch, das könnte was werden mit uns.
Aber OBACHT. Die Ähre hab ich jetzt immer dabei und über die reden wir noch!!
Sobald ich rausgefunden habe, mit welcher Abteilung und in welchem UG und vor allem: wie man dahin kommt..

Julia Haenni, geboren 1988 im Aargau, arbeitet als freischaffende Autorin, Performerin und Regisseurin in der ganzen Schweiz und in Deutschland. Sie studierte Theaterregie an der Zürcher Hochschule der Künste und davor Theaterwissenschaft und Deutsche Sprache und Literatur an den Universitäten Bern und Berlin. Sie arbeitet seit jeher über Disziplin-, Format- und Arbeitstrukturgrenzen hinaus mit Erwachsenen, Laien, Profis, Jugendlichen und Kindern. Sie hat sich insbesondere der Schnittstelle zwischen Musik und Sprache/Text sowie der Reflexion weiblicher und männlicher Rollenbilder in Gesellschaft und auf Theaterbühnen verschrieben. 

In der Spielzeit 2018.19 ist sie Hausautorin am Konzert Theater Bern und schreibt ein neues, zeitgenössisches Stück für das Haus. Nebenher lässt sie sich mit Texten beauftragen: Im Rahmen ihres «Textkiosk für dringende Notwendigkeiten» können Bernerinnen und Berner während der ganzen Theatersaison 2018.2019 Texte bei ihr bestellen.

textefuerdringendenotwendigkeiten@gmx.ch

Die Autorin schreibt jeden Wunsch und springt jede Hürde!