Premiere 15. Mai 2011
Georg Friedrich Händel
Semele
«Opera after the manner of an Oratorio» in drei Akten
Libretto von William Congreve
Nach den «Metamorphosen» des Ovid
In englischer Sprache. Mit deutschen Übertiteln.
Kostprobe am 3. Mai 2011 / Stadttheater Foyer / 18.30 Uhr Einführung / 19 Uhr Probe im Saal / Eintritt frei
Kurs der Volkshochschule Bern zu Mythos, Oper und
Inszenierungskonzeption
Mit: Regine Palmai, Leitende Musikdramaturgin
Di. / 24.Mai 2011 / 18.00 Uhr /
Information und Anmeldung über VHSBE
Das Stück
Der Stoff könnte einer heutigen Boulevardzeitung entnommen sein: Ein junges, ehrgeiziges Mädchen hat eine leidenschaftliche Affäre mit einem älteren, verheirateten Mann in höchster gesellschaftlicher Position. Kann das gut gehen, und wenn ja, für wen? Semele, von Jupiter vergöttert, träumt davon, die Frau an seiner Seite zu sein, überschätzt in ihrer Forderung nach Unsterblichkeit jedoch letztlich ihre Macht. Denn der Platz der rechtmässigen Gattin ist bereits vergeben. Juno, die Gemahlin, weiss ihn zu verteidigen, ohne sich mit dem jähzornigen Göttervater auf einen offenen Kampf einzulassen. Ihre Methoden, den Gatten in den Ehehafen zurückzusteuern (und damit den eigenen Status zu verteidigen), sind subtiler und sowohl denen des Jupiter als erst recht denen Semeles an Intrigenpotenzial gewachsen. Keine Überraschung also: Semele findet sich in der Opferrolle wieder. Eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung als wahrhaftige Opernszenerie für emotionsgeladene Affektarien von höchstem Glück über tiefste Verzweiflung bis zu schwärzester Rache. Händel, der frühe Europäer, in Mitteldeutschland geboren, in Italien gereift und in London zur Meisterschaft gelangt, gefeierter Liebling der Gesellschaft, geschmähter Bankrotteur, feinsinniger Kunstsammler und begnadeter Gourmet, bleibt in jedem Fall der brillante Könner seines Fachs. Die die Kunst reglementierenden politischen Zeitbarrieren weiss er wieder einmal klug zu umschiffen und sich gegen seine Gegner, die «feinen Damen, Kleingeister und Ignoranten» Londons zu behaupten. Scheinbar bruchlos fügt Händel einen weltlichen antiken Stoff mit bürgerlich agierenden Figuren in der (sonst religiösen) Form eines englischen Oratoriums mit italienischen Bravourarien zu einer englischsprachigen Oper zusammen, die bis heute nichts an Faszination, Aktualität und Ausdrucksstärke verloren hat.
Den Flyer als PDF zum Ausdrucken oder Weiterschicken, finden Sie hier.
Besetzung
Musikalische Leitung: George Petrou
Inszenierung: Jakob Peters-Messer
Bühne: Markus Meyer
Kostüme: Sven Bindseil
Semele: Hélène Le Corre
Jupiter: Andries Cloete
Juno/Ino: Lisa Wedekind
Cadmus/Somnus: Carlos Esquivel
Athamas: Peter Kennel
Iris: Anne-Florence Marbot
Chor des Stadttheaters Bern
Berner Symphonieorchester
Pressestimmen
„Elektrisierende Chöre, erlesene Solisten, orchestrales Feuerwerk: So präsentiert sich Händels selten gespielte Oper «Semele» am Stadttheater Bern.“
— Marianne Mühlemann, Der Bund, 17.05.2011
„Beim Jupiter! Wie das rauscht, wie das stürmt. Bereits die ersten Takte, die das Berner Symphonieorchester unter der Leitung des Griechen George Petrou schwungvoll aussetzt, bringen das Stadttheater Bern ins Vibrieren. Kräftig und präzis klingt das Spiel, agil und affektgeladen bis in die Fasern der Continuo-Gruppe mit Cembalo (Markellos Chryssicopoulos), Theorbe (Julian Behr) und Cello (Peter Hauser). “
— Marianne Mühlemann , Der Bund, 17.05.2011
„Die Musik treibt herrlich voran. Petrou, der sich bestens mit der historisch informierten Aufführungspraxis auskennt, ist der Mann der Stunde. Er führt das Symphonieorchester zu gestalterischen Höhenflügen, ohne je die Zügel zu verlieren. Da ist Feuer in den Arien, lyrische Sensibilität in den Accompagnato-Rezitativen, Präzision, auch in den zahlreichen Ritardandi. Und auch die gerettete Semele strahlt, oben auf der Mittelgalerie in einem glitzernden Konfettiregen. Hélène Le Corres Gesang ist überwältigend. Wie einen frischen Bergbach lässt sich ihre Koloraturen über die Brüstung ins Parkett stürzen. Von da muss er nicht mehr weit sein, der Weg in den Himmel.“
— Marianne Mühlemann , Der Bund , 17.05.2011
„Wie leicht Anne-Florence Marbot ihre mörderischen Koloraturen auf der Zunge zergehen lässt, während sie ihrer Chefin den Tee serviert (klar, wir sind in England), oder die virtuosen Verzierungen in die Länge zieht und Schlusskonsonanten wie Stecknadeln ausspuckt – unwiderstehlich. (…) Und wie Hélène Le Corre ihre Koloraturen atmet, ausdrucksstark phrasiert, lebendig, physisch – das ist bezirzend, grandios. (...) Die einfallsreiche Musik, die dichten, betörenden Chöre (Einstudierung: Tarmo Vaask), der Einsatz der Solisten – sie alle sind es wert, sich diese selten gespielte Oper anzusehen.“
— Marianne Mühlemann , Der Bund , 17.05.2011
„Die Berner Inszenierung von Jakob Peters-Messer kann sich sehen lassen. Ziemlich unverkrampft wird die mythologische Geschichte, in der sich Götter und Sterbliche intrigenreich verstricken, in die Moderne verpflanzt, zugleich mit märchenhaften Elementen und raunender Symbolik versehen. [...] Es ist eine bunte, ziemlich amüsante Inszenierung, die nicht bloss bebildert, sondern interpretiert, die mit Formen und Motiven spielt und das Geschehen immer wieder ironisch bricht.“
— Oliver Meier , Berner Zeitung, 17.05.2011
„Schwindelerregene Koloraturen. Makellose Stimmen. betörende Klangwelten. Instrumentale Finessen. Bühnenbilder zwischen Sinnlichkeits-Wärme und Design-Kühle (Markus Meyer). Üppig-ausladende, exzentrisch angehauchte Kostüme mit der einen oder anderen hochaufgeschossenen Frisur (Sven Bindseil). Die Barockwelt ist im Stadttheater Bern eingetroffen“
— Svend Peternell, Berner Oberländer, 24.05.2011
„ Derweilen spielt das kleinbesetzte Berner Symphonieorchester mit einer Dynamik und Schwerelosigkeit auf, die absolut bezaubernd wirkt. Der grie
chische Barockspezialist George Petrou legt sich am Dirigierpult mit energieversprühender Präsenz ins Zeug, hat das Auge fürs instrumentale Detail und die Sänger, die auch mal im Zuschauerraum auftauchen. Es macht grossen Spass, zuzusehen und zuzuhören.“
— Svend Peternell, Berner Oberländer, 24.05.2011
„George Petrou, Dirigent und Barockexperte, erfolgreich bereits mit einigen CD-Einspielungen, arbeitet zum ersten Mal in Bern. Und er holte aus dem sonst gerne etwas gemütlichen, auch mal pauschal und laut klingenden Berner Sinfonieorchester bei der Premiere von Händels «Semele» ein Klangbild heraus, das sich auch vor den führenden Barock-Ensembles nicht zu verstecken braucht. Auf modernen Streichinstrumenten, historisch aber bestens informiert in Artikulation und Phrasierung, unterstützt
von Theorbe und Cembali, historischen Pauken und Trompeten, spielten die Berner plötzlich, als ob es um
ihr Leben ginge. Petrou feuerte die Musiker unermüd-
lich an. Er liess nicht die kleinste Gelegenheit aus, besondere Akzente zu setzen, Details auszuschmücken, harmonische Wendungen in all ihrer Raffinesse erstrahlen zu lassen. Das war barockes Musiktheater, wie man es
sich nur wünschen kann, in aller Farbigkeit und Emotionalität, mit Temperament und einfühlsamer Gestik in
den Klagegesängen.“
— Reinmar Wagner, Die Südostschweiz, 24.05.2011
„Alle Ehre machte auch Peter Kennel dieser Partie. Und da war er nicht allein: Auf der Bühne des Berner Stadttheaters standen nicht die reisenden Stars der internationalen Ba-
rockopern-Szene, sondern die Mitglieder des Ensembles. Und sangen, als hätten sie barocke Da-capo-Arien schon im Kindergarten beherrscht. Allen voran Helene le Corre als Se-
mele, die einerseits die verrücktesten Koloraturen wie Fingerübungen abschnurrte, andererseits tief empfundenes Leiden ausdrucksvoll auskostete.“
— Reinmar Wagner, Die Südostschweiz, 24.05.2011
Vorstellungen
21.05.2011, 19.30–22:20 Uhr, Stadttheater
28.05.2011, 19.30–22:20 Uhr, Stadttheater
01.06.2011, 19.30–22:20 Uhr, Stadttheater
03.06.2011, 19.30–22:20 Uhr, Stadttheater
07.06.2011, 19.30–22:20 Uhr, Stadttheater
16.06.2011, 19.30–22:20 Uhr, Stadttheater
>>weitere Vorstellungen in der Spielzeit 2011/2012<<














