Premiere 19. September 2008

Per Nørgård /
Der göttliche Tivoli
Oper nach Texten von Adolf Wölfli u. a.

Uraufführung 1983 in Århus

Das Stück

Adolf Wölfli, so schrieben die Medien kürzlich anlässlich der Eröffnung seiner Personalausstellung im Kunstmuseum Bern, sei im Grunde der grösste Künstler, den die Schweiz hervorgebracht habe. Wölflis Schicksal ist tragisch, sein Ruhm als Vertreter der „Art brut“ glanzvoll. 1864 in ärmsten Verhältnissen im Emmental geboren, wurde er schon früh zur Waise und musste sich als Knecht und Wanderarbeiter selbst durchschlagen. Wegen Notzucht kam er erst ins Zuchthaus, später in die „Irren-, Heil- und Pflegeanstalt Waldau“ bei Bern, wo er bis zu seinem Tode lebte. Hier begann er auch, den Bildern, Worten, Klängen und Geschichten in seinem Kopf Ausdruck zu verleihen. Auf tausenden Blättern, Wortschöpfungen, Kompositionen, deren Sammlung und Verwahrung einem seiner Ärzte zu danken ist, zeigt sich Wölflis surreale, poetische, seltsame, schöne Welt, die selbsternannte „Skt.-Adolf-Riesenschöpfung“, dem staunenden Betrachter heute. Diese Innenwelt, aber auch seine Stellung in der realen Welt ist Gegenstand der Oper von Per Nørgård (*1932). Der Komponist erlebte „die Beschäftigung mit der chaotischen Kunst Wölflis als einen mentalen Sturz in eine andere, dunkle Welt, unheimlich unvoraussagbar, doch anziehend und vor allem sehr konkret“. Die Wölfli-Oper ist Beitrag des Stadttheaters zur Biennale Bern 2008, der Leistungsschau der grossen Berner Kunstinstitute.

Einführungen:
Am 5.10., 25.10., 9.11. und 15.11. 2008 findet jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn eine Einführung in der Mansarde durch Daniel Baumann, Leiter der Aldolf-Wölfli-Stiftung statt.

Besetzung

Musikalische Leitung: Dorian Keilhack
Inszenierung: Sandra Leupold
Szenische Einstudierung: Fabian von Matt
Bühne, Kostüme: Barbara Rückert
Video-Design: Per Engelbracht, Stephan Komitsch

Bianka, Lidia Wildermuth, Margritt Santta Maria: Andrea Stadel
Mutti, Mathilde, Heilige Mutter: Fabienne Jost
Doufi, Orpheus: Daniel Szeili
Adolf Wölfli, Neger: Hubert Wild
Sankt Adolf II.: Steffen Kubach
Sankt Adolf, Doktor: Bernd Gebhardt
Vögeli: Jianeng Lu, Tadahiro Masujima, Simone Tschöke, Sandra Rohrbach

Solo-Schlagzeug: Hans-Kristian Sørensen
Schlagzeug: Franz Rüfli, Daniel Scheidegger, Ferdinand Heiniger, Oliver Schär, Adrian Schild
Violoncello: Matthias Kuhn
Synthesizer: Genova Dessislava

Im Rahmen der Biennale Bern 2008
Eine Koproduktion mit dem Theater Lübeck
Mit Unterstützung der Warlomont-Anger Stiftung

Pressestimmen

„Zwischen Ordnung und Chaos, Brutalität und Besinnlichkeit: Das Stadttheater zeigt das Musikdrama ‚Der göttliche Tivoli’ nach Texten von Adolf Wölfli. Eine aufwühlende Inszenierung von einnehmender Schlichtheit.“
— Oliver Meier, Berner Zeitung, 22.09.2008

„In der Regie von Sandra Leupold agiert ein hochmotiviertes Ensemble, das nicht nur stimmlich, sondern auch körperlich einiges zu leisten hat. Wölflis Seelenzustände, selbst seine pädophilen Übergriffe, werden mit starken Bildern eingefangen. (…) Die Ausstatterin Barbara Rückert hat für die beiden Phasen in Wölflis Leben (…) überzeugende Räume geschaffen.“
— Bruno Rauch, Bündner Tagblatt, 22.09.2008

„Dorian Keilhack, der die Aufführung am Stadttheater Bern dirigiert, bringt das Miteinander und Gegeneinander der komplizierten musikalischen Rhythmen wirkungsvoll zur Geltung.“
— Thomas Schacher, NZZ, 22.09.2008