Premiere 14. März 2009

Mein Name sei Gantenbein
Von Max Frisch. Für die Bühne bearbeitet von Philipp Becker

Von Philipp Becker
Uraufführung

Das Stück

„Ich stelle mir vor“, beginnt die Hauptfigur von Max Frischs 1964 erschienem Roman „Mein Name sei Gantenbein“ ihre Erzählung. Ebenso wie der Konjunktiv im Titel verweist dieser Satz auf ein zentrales Motiv des Werkes: die fiktive Vergegenwärtigung eines Geschehens. Der Ich- Erzähler sucht die Gründe für das Scheitern seiner Ehe, und er ist sich wohl bewusst, dass er die Antwort auf die ihn quälenden Fragen nicht in der Rekonstruktion, sondern in der Spiegelung des realen Geschehens in der Fiktion finden wird. Er hat eine Erfahrung gemacht und sucht nun die Geschichten, die ihm helfen können, diese Erfahrung zu deuten. Dabei reicht ihm die Rolle des blinden Gantenbeins nicht aus. Mühelos wechselt er die Identitäten und beleuchtet das Geschehen aus der Sicht eines Architekten oder eines Kunsthistorikers, um die scheinbar gewonnene Sicherheit zu überprüfen und erneut in Frage zu stellen.

Frisch macht die Wahrheitssuche im Niemandsland zwischen objektiver Realität und subjektiver Wahrnehmung zu einem spannenden und ironischen Vexierspiel, in dessen Verlauf der Protagonist zu der Erkenntnis kommt: „Ich probiere Geschichten an wie Kleider.“

Kostprobe
Werkeinführung und Probenbesuch
2. März 2009, 18.30 Uhr , Foyer des Stadttheaters, Eintritt frei

Den Flyer als PDF zum Ausdrucken oder Weiterschicken, finden Sie hier.

Besetzung

Pressestimmen

„Philipp Becker adaptierte Max Frischs sperrigen Roman ‚Mein Name sei Gantenbein’ erfolgreich für die Bühne. Ohne explizit darauf Bezug zu nehmen, machte sich Becker für seine Adaption die Lese- und Seherfahrung von Internet-Usern zu Nutze. Schon das Bühnenbild erinnerte an die Struktur einer Internet-Seite. “
— Serge Kuhn, SDA, 15.03.2009

„Becker bricht die lineare Struktur des Romans auf, lässt szenische Bilder synchron ablaufen und beweist damit, was die Bühne als Medium dem Buch voraus hat. “
— Oliver Meier, BZ, 16.03.2009

„Was Becker den Schauspielern zumutet, ist allerdings kein Pappenstiel, gibt er ihnen doch den Romantext selbst zu rezitieren. So dass sie sich gezwungen sehen, die Rolle, die sie spielen, laufend infrage zu stellen und damit blitzschnell zwischen zwei Perspektiven und Stilebenen hin- und herzuwechseln.“
— Charles Linsmayer, Der Bund, 16.03.2009

„Der Blick auf die Spielpläne zeigt: Prosastoffe als begehrtes Bühnenfutter liegen im Trend. (…) folgt nun eine Bearbeitung von Max Frischs ‚Mein Name sei Gantenbein’ (1964) in einer Fassung des deutschen Jungregisseurs Philipp Becker, der in der vergangenen Spielzeit bereits mit Hölderlins ‚Hyperion’ und Büchners ‚Lenz’ in Erscheinung trat und dabei bereits ziemlich stilsicher eigene Akzente setzte. “
— Roland Erne , MZ, 16.03.2009

„Die abtötende Wiederholung in der Beziehung zwischen Gantenbein und Lila, die routinierte Körperlosigkeit der Ehe, die Eifersucht, die Gantenbein nicht einmal mehr die eigenen Liebesbriefe erkennen lässt: Das hat Wucht und bösen Witz. Und auch Lila (Henriette Cejpek), die bei Frisch nicht zu Wort kommt, hat mehr als ein Wörtchen mitzureden. Das Theater, so bestätigt sich, ist halt kein Reissbrett oder Computer. Ohne Menschen bleibt es tot. “
— Peter Müller, TA, 20.03.2009