Premiere 11. Oktober 2008
Die Stadt
Schauspiel von Martin Crimp
Deutsch von Marius von Mayenburg
Schweizer Erstaufführung
Das Stück
Auf den ersten Blick ist es eine Idylle, in der sich Clair und Christopher, beide um die Vierzig, eingerichtet haben. Er hat erfolgreich Karriere gemacht, sie arbeitet als freie Übersetzerin, Haus, Garten und eine 10jährige Tochter runden das Bild vom gehobenen Mittelstand ab. Doch langsam beginnt die perfekte Oberfläche zu bröckeln. Clair begegnet am Bahnhof einem Schriftsteller, der eine merkwürdige Faszination auf sie ausübt und Christopher verliert seinen Job. Die Realität bricht ins Paradies ein und erschüttert leise die Zweierbeziehung. In den Rissen, die entstehen, nisten sich Geschichten ein. Sind diese Geschichten, die man sich über das eigene Leben erzählt, wahr oder erfunden, findet der Krieg, von dem die Nachbarin berichtet, wirklich statt, und wenn ja, warum? Wie sicher ist der Arbeitsplatz, was spielen die Kinder, und was macht die eigene Frau mit dem Autor, den sie übersetzt? Den Figuren zerfällt ihre Existenz, bis zuletzt selbst die theatrale Form des Stückes vom Auflösungsprozess erfasst wird. Martin Crimp, der zu den bedeutendsten britischen Gegenwartsdramatikern zählt, schreibt auf sehr poetische Art von der Gefährdung des scheinbar Sicheren.
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause
Kostprobe:
Freitag, 3. Oktober 08, 18.30 Uhr in Vidmar:1, Eintritt frei
Besetzung
Inszenierung: Erik Altorfer
Bühne, Kostüme: Mira Voigt
Musik: Martin Schütz
Christopher: Philippe Graber
Clair: Friederike Pöschel
Jenny: Julia Schmidt
Mädchen: Ella Sägesser
Pressestimmen
„Beziehungsknatsch und Kriegspsychose, grotesk in lockeres Parlando getaucht: So funktioniert das Stück Die Stadt, das beim Publikum begeisterte Aufnahme fand. Nur etwas steht einwandfrei fest für diesen von Regisseur Erik Altorfer in dezidiert avantgardistischer Weise umgesetzten und von Martin Schütz mit der adäquaten Musik belieferten Theaterabend: In Ermangelung eines dramatischen Plots ruht mehr als sonst auf den Schultern der Protagonisten, die ihre Sache denn auch ausgezeichnet machen.“
— Charles Linsmayer, Der Bund, 13.10.2008
„Exzellente Regie. Als das Stück dieses Frühjahr an der Berliner Schaubühne von Thomas Ostermeier erstaufgeführt wurde, waren Publikum und Kritiker eher ratlos. In Bern hat nun Regisseur Erik Altorfer die Chance wahrgenommen, eine eigenständige Erstaufführung zu wagen. Und er hat das auch wirklich gut hinbekommen: Die Schauspielerführung ist mehrheitlich lebensnah und das Bühnenbild eine echte Interpretationshilfe.
“
— Irene Widmer, SDA, 13.10.2008
„Philippe Graber ist ein Spezialist fürs Mittelmass. Kaum ein Deutschschweizer Schauspieler spielt derzeit junge Durchschnittsbürger so genau und komisch wie der 32-jährige Luzerner, den man in Zürich bestens kennt. (...) Friederike Pöschel ist eine intensiv leise Clair, ein waidwundes Reh, das sich in den Fallen der Wirklichkeit verfängt. Und bravourös spielt auch die zwölfjährige Ella Sägesser; wie ein surreales Geschöpf von Fellini, rothaarig und sommersprossig.
“
— Peter Müller , Tages Anzeiger, 17.10.2008