Premiere 25. September 2008
Der Menschenfeind
Komödie von Jean Baptiste Molière
Das Stück
Eigentlich müsste Alceste alle Sympathien auf seiner Seite haben. Er hat sich voll und ganz der Aufrichtigkeit verschrieben und hasst nichts mehr als die grossen und kleinen Lügen des Alltags. Seine Umgebung findet soviel Ehrlichkeit eher anstrengend und so wird es einsam um Alceste. Wer will schon immer die Wahrheit wissen, die kleine Lüge zwischendurch macht das Leben doch sehr viel einfacher. Zu allem Unglück hat sich Alceste in die schöne Célimène verliebt, die sich meisterhaft darauf versteht, versteckte Andeutungen und offene Lügen als Waffe auf dem glatten Parkett der Gesellschaft zu nutzen. Ein Paar wie Feuer und Wasser, dem auf keinen Fall ein Happy End beschieden sein kann. Schon gar nicht auf einer einsamen Insel, wie Alceste in der Hoffnung vorschlägt, dort, fern aller Etikette, in radikaler Ehrlichkeit und Liebe zu leben. Das Happy End erleben vielmehr Philinte, Alcestes Freund, und Eliante, Célimènes Cousine, die um die Schwäche des menschlichen Charakters wissen und bereit sind, im Umgang miteinander einen ehrlichen Kompromiss zu finden. In dieser bitterbösen Komödie legt Molière die Messlatte für den moralischen Anspruch an die Gesellschaft hoch, und sein Urteil fällt entsprechend vernichtend aus, auch wenn er zugleich einen unauflösbaren Widerspruch konstatiert.
Kostprobe:
Freitag, 12. September 08, 18.30 Uhr in Vidmar:1, Eintritt frei
Besetzung
Inszenierung: Stefan Otteni
Bühne, Kostüme: Anne Neuser
Choreographie: Joshua Monten
Alceste: Jürgen Hartmann
Philinte: Heiner Take
Célimène: Lucy Wirth
Eliante: Milva Stark
Oronte: Stefano Wenk
Arsinoé: Henriette Cejpek
Acaste: Sebastian Edtbauer
Clitandre: Jonathan Loosli
Unter dem Patronat der Gesellschaft der Freunde des Stadttheaters
Pressestimmen
„Ehrlich währt nicht am längsten: Das Stadttheater Bern startet seine Schauspielsaison in den Vidmarhallen mit einer gelungenen Inszenierung vom Molières bissiger Komödie ‚Der Menschenfeind’.“
— Maria Künzli, Berner Zeitung, 27.09.2008
„Jürgen Hartmann ist der perfekte Alceste, so sehr zersetzt von Verbissenheit und Eitelkeit, gelingt ihm keine wahrhaft menschliche Regung mehr. (…) Als Célimène berührt Lucy Wirth (…), wenn sie mit ihrer Aufrichtigkeit und ihren Zweifeln zu jener Wahrhaftigkeit findet, die eigentlich Alcestes hehren Prinzipien durchaus entspräche, für die er aber blind ist.“
— Brigitta Niederhauser , Der Bund, 27.09.2008
„Jede szenische Aneignung von Molières ‚Menschenfeind’ steht und fällt mit der Figurenzeichnung des Protagonisten, den Jürgen Hartmann - seit Beginn dieser Spielzeit festes Ensemblemitglied - ebenso glaubhaft wie nuanciert als standhaften Unangepassten mit fast schon autistischer Schlagseite gibt.“
— Roland Erne, MZ, 27.09.2008
„Mit dieser frischen Produktion, welche vor Vitalität strotzt, viel Bewegungstheater einbringt (Choreografie: Joshua Monten) und - pardon! - Molières Text recht frei behandelt, hat Stefan Otteni die Berner Schauspielsaison in den Vidmarhallen verheissungsvoll eröffnet.“
— Beatrice Eichmann-Leutenegger , NZZ, 29.09.2008