Premiere 17. September 2011
Sibylle Berg
Hauptsache Arbeit!
Schweizer Erstaufführung
Das Stück
Nur wer anpassungs-, zeugungs- und durchsetzungsfähig zugleich ist, wird die eigene Art erhalten. Dieses eherne Naturgesetz gilt gleichermassen für die Evolution wie fürs Wirtschaftsleben. Und während in letzterem der arbeitende Mensch noch ums Überleben kämpft, gilt in der Natur längst als ausgemacht, dass die Ratten die Herrscher der Welt sein werden, wenn der Mensch die Selbstvernichtung weit genug vorangetrieben hat. In Sibylle Bergs Hauptsache Arbeit! haben die Ratten bereits das Regiment übernommen und attackieren die Menschen dort, wo sie am verletzbarsten sind: in ihrer Funktion als Arbeitnehmer. Während Wohlfühlmusik an einem lauen Sommerabend die Decks eines Ausflugsdampfers beschallt, verwandeln eine als Motivationscoach verkleidete Ratte und ihre Gehilfen den Betriebsausflug einer im Downsizing begriffenen Firma zur Bühne hemmungsloser Selbstdarstellung im Wettbewerb um die verbleibenden Arbeitsplätze.
Mit einem Feuerwerk voller Pointen und voller Sarkasmus entlarvt Sibylle Berg das Leben der Angestellten als kontinuierlichen Deformationsprozess. Längst ist Arbeit nicht mehr nur das halbe Leben sondern Lebensinhalt. Der moderne Mensch definiert sich über seinen Beruf, der notwendige Broterwerb wird zum Lifestyle stilisiert. Mit verzweifeltem Zweckoptimismus werden die Identifikationsangebote der Firma angenommen, denn ausserhalb des Büros drohen Sinnesleere, Depression und sexuelle Unlust. Doch dem Dauerstress der permanenten Anpassung an die Ideologien des Kapitalismus ist der Mensch nicht gewachsen. Depression und Zeugungsschwäche bedrohen den Arterhalt. Entspannt und mitleidslos analysieren die Ratten an die Reling des Dampfers gelehnt bei einer Zigarette ihr tödliches Werk.
Mit freundlicher Unterstützung der Warlamont Anger Stiftung.
Den Flyer als PDF finden Sie hier.
Besetzung
Inszenierung: Antje Thoms
Bühne: Steffi Wurster
Kostüme: Katharina Meintke
Video: Florian Barth
Ratte: Stefano Wenk
Chef: Philip Hagmann
Sportler: Marcus Signer
Busunfall: Ingo Ospelt
Fernseher: Ernst C. Sigrist
Raucherin: Milva Stark
Gewerkschafterin: Henriette Cejpek
Square Dancerin: Sabine Martin
Miss Firma: Patricia Berchtold
Geniesser: Dominique Müller
Mutter vons Ganze: Margot Vandrich
Eine kleine Kapelle: Michael Frei
Einer, dem immer übel wird: Andreas Eggel
Praktikant: Benjamin Kühni
Statisterie des Stadttheaters Bern
Pressestimmen
„Sibylle Berg hat ein schonungsloses, beissendes Stück mit prägnanten Aussagen über die Welt der Angestellten und ihre Abhängigkeiten von Sex, Alkohol und Nikotin geschrieben – aber auch über ihre Sehnsüchte. Antje Thoms inszeniert diese Satire für die Schweizer Erstaufführung in den Vidmarhallen des Theaters Bern ebenso rückhaltlos aggressiv. «Hauptsache Arbeit!» setzt auf absichtliche Verzerrungen, um die Befindlichkeiten radikal herauszustellen.“
— Beatrice Eichmann-Leutenegger, NZZ, 20.09.2011
„Bergs plakativen Strauss bitterbös zugespitzter Beobachtungen packt die Inszenierung von Antje Thoms in einen schwungvollen Abend, der das Lachen oft auf den Lippen gefrieren lässt. Souverän tänzelt Stefano Wenk in der Rolle der Motivationsratte mal von innen heraus, mal von aussen oder in gottähnlicher Position aus dem All über das traurige Luxusschiff auf der Bühne.“
— Anne-Sophie Scholl, Berner Zeitung, 19.09.2011
„«Hauptsache Arbeit!» am Stadttheater Bern weidet die Trostlosigkeit des Lebens an und für sich aus. Aber so schön wie Sibylle Berg macht das derzeit niemand. (…)
Eine grelle Orgie aus Hass und Selbsthass mit Explosionen am Laufmeter, und die Inszenierung bringt sie in den engen Kabinen unter Deck laut genug zum Knallen.“
— Daniel di Falco, Der Bund, 19.09.2011
Vorstellungen
Mi. 21.09.2011, 19.30–21:10 Uhr, Vidmar:1
Fr. 14.10.2011, 19.30–21:10 Uhr, Vidmar:1
Sa. 22.10.2011, 19.30–21:10 Uhr, Vidmar:1
Di. 25.10.2011, 19.30–21:10 Uhr, Vidmar:1
Di. 01.11.2011, 19.30–21:10 Uhr, Vidmar:1
Fr. 25.11.2011, 19.30–21:10 Uhr, Vidmar:1
Sa. 03.12.2011, 19.30–21:10 Uhr, Vidmar:1
-wegen Erkrankung im Ensemble zeigen wir Am Ende des Regens-
Do. 05.01.2012, 19.30–21:10 Uhr, Vidmar:1
Di. 20.03.2012, 19.30–21:10 Uhr, Vidmar:1
<<verschobene Vorstellung vom 03.12.2011>>














