Lutz&Guggisberg

Andres Lutz und Anders Guggisberg arbeiten seit 1996 zusammen. 1999, 2000 und 2001 gewannen sie das Kunststipendium der Stadt Zürich, 1999, 2001 und 2002 das eidgenössische Kunststipendium, 2002 den Manorpreis St.Gallen, der mit den ersten Museumspräsentationen im Kunstmuseum St.Gallen und in der Villa Merkel in Esslingen verbunden war. Es folgten Galerie- und Museumsprojekte unter anderem in Los Angeles, Buenos Aires, Rom und Sharjah/Dubai. 2007/8 präsentierten sie eine Übersicht ihrer bis dahin zwölfjährigen Zusammenarbeit im Kunstverein Freiburg i.B. und im Kunsthaus Aarau. Zuletzt waren sie neben diversen Einzel- und Gruppenprojekten in Museumseinzelausstellungen in der IKON Gallery in Birmingham, dem Folkwang Museum in Essen und dem Centre Culturel Suisse in Paris zu sehen.

www.lutz-guggisberg.com

Textausschnitte zu Lutz & Guggisberg

Konrad Bitterli

...Im Schaffen von Andres Lutz und Anders Guggisberg offenbaren sich jene versponnenen Welten des Absurden, Welten voller Ironie und Irrwitz, nicht ohne Abgründe und Irrwege, und eröffnen uns allen die befreiende Möglichkeit, in der Kunst über die Welt von Museen wie Realien nachzusinnen – und das garantiert mit erheblichem Lustgewinn.

...Das Denken in bzw. das Bauen von Modellen ermöglicht eine Art überschaubarer künstlerischer Versuchsanordnung, irgendwo zwische gedanklicher Skizze und konkreter Umsetzung: ein möglicher Realentwurf im Miniaturformat – halb Phantasie, halb Welt.

...Wer nach ihren Büchern greift, hält nicht Seiten wissenschaftlicher Erkenntnis oder spannenden Romanlesestoffs, sondern ein schlichtes Holzobjekt in Händen. Die Bücher erweisen sich als raffiniert gestaltete Attrappen...

...Lutz/Guggisbergs Bibliothek stellt wie weiland Dada oder Fluxus zwar traditionelle Kunstbegrifflichkeiten und kulturelle Abgrenzungen in Frage, jedoch, und darin sind sie ganz Kinder ihrer Zeit, stets lustvoll überzeichnet und unverkrampft formuliert, genauso raffiniert verquirlt wie versponnen. Und so ist denn auch ihre Bücherkollektion nicht so sehr ein Ort bildungsbürgerlicher Beflissenheit, sondern wird trotz hölzerner Füllung zum wirkmächtigen Sinnbild für permanente Welthaltigkeit: ein bibliophiler Kosmos der hintersinnigeren Kunst- und Lebensart.

Peter Weber

...Hier arbeiten mindestens acht Hände gleichzeitig. In der Erinnerung, über die Jahre, sehe ich im Zeitraffer unzählige Formen aufwachsen, Malereien, Melodien, Filme, Lichtbilder und Texte, alles scheint aus allem zu entstehen.

...Anders und Andres arbeiten in fliegenden Wechseln, einer beginnt, der andere führt fort, einer hat eine Idee, der andere hat offensichtlich dasselbe gedacht und bereits weiterentwickelt. Selten hört man die beiden über etwas anderes sprechen als über die Umsetzung ihrer Projekte. Meistens wird es andächtig still, wenn sie sich in Kleinstarbeiten vertiefen, wenn sie sich über ihre Modelle beugen etwa, in denen sie ihre Arbeiten und die ganze Anordnung widerspiegeln.

...Die beiden Sitzriesen verströmen Glück, folgen nur dem Lauf ihrer Pinselchen, sie verschmelzen mit ihren Erfindungen.

Beatrix Ruf

...Mit ihren Objekten, aber auch mit den Titeln ihrer Arbeiten führen die beiden Künstler eine listige Strategie der ironischen Ablenkung vom Ernst und damit eine besondere Betonung desselben im Schilde. Neben enzyklopädisch anmutenden Installationen finden sich auch solistische Objekte: Knorrige Wurzelstücke, die sowohl der chinesischen sakralen Kunst wie dem Kirchenbastelbazar entstammen könnten, dienen ihnen zur Reise in die Welt geheimnisvoller Preziosen , die auf einem Salontisch, Museumssockel oder einem überquellenden Arbeitstisch präsentiert je andere Bedeutungen entwickeln.

...Lutz/Guggisberg können und machen alles; alle stilistischen Richtungen sind in ihrem Werk vertreten und dies schäumt über vor Referenzen, vor allem auf die jüngere Kunstgeschichte. In der immer gut vorhandenen Würzmischung aus Selbstironie und Humor wird bei ihnen jedoch das Schwangergehen mit Referenzen wie das überbordende Tun zum ernstzunehmenden Paradox.

Giovanni Carmine

Comme des scientifiques obsédés ou des maniaques équilibrés, Andres Lutz et anders Guggisberg portent leur regard curieux et ironique sur ces cavernes pleines de richesses que sont les musées. Des modes d’exposition deviennent aussi des modèles de mondes dans lesquels les formes connues et archétypiques se mélangent incestueusement à des visions de voyants. Micro et Macro se confondent dans ce laboratoire de boîtes chinoises et de calembours. Ainsi naissent des bibliothèques foissonnant d’essais surréels et de littérature omnisciente; Uqbar, Tlön, Alexandrie et Saint-Gall sont logés ä la mème enseigne. On trouvera également d’étincelantes vitrines et coupes, sculptures-hommages pour héros contemporains poursuivants leur entreprise hardie et absurde dans le quotidien. Omnivores et encyclopédiques, ces artistes nous chuchotent gentiment le mot de passe pour la caverne d’Ali Baba.