
Premiere 11. November 2010
Die Botschaft der Flocke
Hommage an Erika Burkhart
Erika Burkart
kam am 8.Februar 1922 in Aarau zur Welt und starb am 14.April 2010 in Muri AG. Von Kind auf lebte sie im ehemaligen Äbtehaus Kapf in Althäusern AG. Die Landschaft dieses Moränenhügels, die Kindheit als Tochter eines Grosswildjägers, die Jahre als junge Lehrerin, das Erlebnis der Liebe und die Reflexionen über das Schreiben und das Leben im 20.Jahrhundert prägen das Werk dieser Autorin, die auch Lyrikerin blieb, wenn sie Prosa schrieb. Erzählerisch spiegelt sich ihr Leben in den Prosabüchern «Moräne» (1970), «Rufweite» (1975), «Der Weg zu den Schafen» (1979), «Die Spiele der Erkenntnis» (1985), «Das Schimmern der Flügel» (1994), «Grundwasserstrom» (2000) und «Die Vikarin» (2006). Das lyrische Werk, von dem die frühen Zeugnisse 1977 in den Band «Augenzeuge» Eingang fanden, gipfelt in den Bänden «Stille, fernster Rückruf» (1997), «Langsamer Satz» (2002), «Ortlose Nähe» (2005) und «Geheimbrief» (2009). Im Mai 2010 erschien bei weissbooks.w in Frankfurt der Gedichtband «Das späte Erkennen der Zeichen».
Das Stück
Ganz leicht und schwebend weht die Flocke daher, und in ihrer Botschaft findet nochmals Platz, was seit Erika Burkarts erstem, 1953 erschienenem Lyrikband «Der dunkle Vogel» das Gewicht und die Schönheit ihrer Gedichte ausmacht: Blumen und Vögel, Wiesen und Wälder, der Zauber des Frühlings und die Trauer des Winters, die Kindheit, die Liebe und der Alltag im alten Haus auf dem Hügel, wo ihre lyrische Welt ihr Zentrum hat. Es sind späte, schwerem Leiden abgerungene Gedichte, die sich da zusammenfinden. Aber sobald sie zu klingen beginnen, erinnert man sich daran, dass die Dichterin einmal sagte: «Solange meine Seele und mein Lebensgefühl nicht abgenützt sind, ist es auch meine Sprache nicht.»
Er ist unverkennbar: «Das späte Erkennen der Zeichen» spiegelt die letzte irdische Wegstrecke eines Menschen. Aber die wundervolle Geglücktheit jeder Zeile, jeden Bildes ist Garantie genug dafür, dass diese lyrischen Geheimbriefe ein Gespräch eröffnen, «das der Tod nicht erstickt». Denn die Flocke, die uns da entgegenweht, ist keine schnell schmelzende Schneeflocke, sondern «Blüte, die entführt, / Same, der Fuss fasst», und wer sich den feinen poetischen Gebilden aussetzt, wird ihre Botschaft als etwas Unvergessliches in sein Leben hinein tragen.














