Premiere 22. September 2010

Wiederaufnahme
Quartett
Von Heiner Müller

Video-Clip zu Quartett hier.

Das Stück

1782 schrieb Choderlos de Laclos den Briefroman Liaisons dangereuses, der die moralische Fäulnis des Ancien régime thematisierte. 200 Jahre später, acht Jahre bevor die Mauer fiel, nahm der grosse (ost-)deutsche Autor Heiner Müller diese Vorlage und machte daraus eine Reflexion über die Endzeit einer Epoche.

In einem «Salon vor der französischen Revolution/Bunker nach dem Dritten Weltkrieg» erwartet die Marquise de Merteuil ihren einstigen Liebhaber Vicomte de Valmont zum Quartett. Beide spielen mit vertauschten Rollen – und damit vertauschten Geschlechtern – eine alte Intrige nach, bei der Valmont in der Rolle der von ihm verführten Madame Tourvel an dem Gift stirbt, das ihm die Merteuil (als Valmont) reicht. Alleingelassen auf dem Trümmerfeld ihrer ungestillten Leidenschaften muss die Marquise jedoch erkennen, dass es Erlösung nicht gibt, wenn selbst der Tod Theater ist.Ein amoralischer Rationalismus bildet die Grundlage dieses «intellektuellen Pornos» eines der bedeutendsten deutschen Bühnendichter. Es ist eine sprachlich hochkomplexe Demontage von Religion, Liebe und Moral, bei der im Sinne de Sades der Sexualakt zum Akt der geistigen Vernichtung umgedeutet wird.Der Komponist Philipp Ludwig Stangl, der fest in Bern engagiert ist und hier u.a. die Bühnenmusik zu Rosa und Blanca, Endstation Sehnsucht, Homefront und Schwarze Spinne geschrieben hat, wird das Stück vertonen und so neben das sprachliche ein musikalisches Geflecht stellen, das die Präzision und Ausdruckskraft der Müllerschen Sprache heraushebt und konterkariert. Weiter wird eine Bildebene durch Projektionen hinzukommen, welche Sprache und Musik ergänzt und die Begegnung der beiden Figuren medial auflöst.

Die Medienproduktion entsteht in Zusammenarbeit mit dem ICEM Institut für Computermusik und Elektronische Medien, Folkwang Hochschule.

Den Flyer als PDF zum Ausdrucken oder Weiterschicken, finden Sie hier.

Besetzung

Inszenierung: Erich Sidler
Komposition und Video: Philipp Ludwig Stangl
Kostüme: Bettina Latscha

Merteuil: Heidi Maria Glössner
Valmont: Andri Schenardi

Musiker
Mike Svoboda (Posaune)                                 
Philip Zoubek (Präpariertes Klavier)
Philipp Ludwig Stangl (Live Electronic)

Pressestimmen

„Erich Sidler verzichtet auf die Psychologisierung der Figuren. Er setzt den Fokus auf die Gewalt und die Musikalität des Textes und spielt dabei mit der (möglichen) Überforderung des Publikums. Ein radikaler Ansatz, auch insofern, als er formal zu den Wurzeln des Stoffs zurückkehrt: zum Briefroman von Laclos.“
— Oliver Meier, Berner Zeitung, 29.03.2010

„In seiner Inszenierung setzt er radikal und ohne falsche Zugeständnisse an die Bekömmlichkeit auf den wahren Hauptakteur des Stücks: auf die Sprache. (…) in Videosequenzen weht ein fernes Rokoko-Ambiente auf die leere Bühne, und so verkörpern Glössner und Schenardi nicht mehr und nicht weniger als Müllers Sprache.“
— Daniel Di Falco , Der Bund, 29.03.2010

„In kühler Distanz stehen Merteuil (Heidi Maria Glössner) und Valmont (Andri Schenardi) nebeneinander auf der Bühne, die in ihrer düsteren Kahlheit an jenen ‚Bunker nach dem dritten Weltkrieg’ erinnert, von dem Müller in seinem Stück spricht.“
— Oliver Meier, Berner Zeitung, 29.03.2010

„Mike Svoboda (Posaune), Philipp Zoubek (präpariertes Klavier) und Philipp Ludwig Stangl (Elektronik und Komposition) montieren das musikalische Fundament, damit dieser schwere Text nicht durch den Bühnenboden bricht: Ihre zunächst dürre Tonspur entwickelt sich zum atmosphärischen Verstärker.“
— Daniel Di Falco , Der Bund, 29.03.2010

Vorstellungen

22.09.2010, 19.30 Uhr, Vidmar:1 Billette
02.10.2010, 19.30 Uhr, Vidmar:1 Billette
28.10.2010, 19.30 Uhr, Vidmar:1 Billette