Premiere 2. Dezember 2010
Wiederaufnahme
Andorra
Stück in zwölf Bildern von Max Frisch
Das Stück
Auf dem Marktplatz von Andorra ereignet sich ein grausamer Fall von Selbstjustiz, dem der angehende Tischler Andri zum Opfer fällt. Schon lange hatte sich im andorranischen Volk Wut gegen die Juden aufgestaut und bricht sich nun, angesichts einer Bedrohung von aussen, im Inneren Bahn. So weit der nüchterne Tathergang einer persönlichen und gesellschaftlichen Tragödie. In zwölf Bildern erzählt Max Frisch Andris Geschichte, der angeblich ein jüdisches Findelkind, in Wahrheit aber der illegitime Sohn eines braven Andorraners ist. Stück für Stück werden Andris Selbstbewusstsein, seine Beziehung zu seiner Freundin und seiner Familie von den Vorurteilen und dem zunehmenden Hass seiner Umgebung zerstört. Vorurteile, Intoleranz und Ausgrenzung bewirken, dass der junge Mann sich schliesslich in einem verzweifelten Akt bewusst die fremde Identität aneignet und fortan den Erwartungen seiner Umgebung voll und ganz entspricht. Sein Tod ergibt sich danach geradezu zwangsläufig – ein Teufelskreis, aus dem zu entkommen er keine Chance hat, egal wie er sich verhält.
Max Frisch schrieb sein wohl bekanntestes Stück unter dem Eindruck des Holocausts – erste Skizzen finden sich bereits 1946 unter dem Titel «Du sollst dir kein Bildnis machen». Seine eindringliche Warnung ist heute unter anderen Vorzeichen immer noch gültig. Wo Menschen verschiedenster Kulturen eng beieinander leben, sind unterschwelliger oder gar nicht so unterschwelliger Fremdenhass allgegenwärtig, und doch ist die Wahrheit oft nicht das, was auf den ersten Blick sichtbar ist. Vorurteile sind nach wie vor schlechte Berater im Umgang mit anderen Menschen, da sie eine im wahrsten Sinne des Wortes mörderische Eigendynamik entwickeln können.
Unter dem Patronat der Gesellschaft der Freunde des Stadttheaters
Andorra Video-Clip hier.
Den Flyer als PDF zum Ausdrucken oder Weiterschicken, finden Sie hier.
Besetzung
Inszenierung: Antje Thoms
Bühne: Kirsten Hamm
Kostüme: Katharina Meintke
Musik: Philipp Ludwig Stangl
Andri: Andri Schenardi
Barblin: Milva Stark
Lehrer: Ingo Ospelt
Señora: Henriette Cejpek
Pater: Stefano Wenk
Soldat: Diego Valsecchi
Wirt: Ernst C. Sigrist
Tischler: Gunther Kaindl
Doktor: Sebastian Edtbauer
Jemand: Michael Frei
Geselle: Lukas Turtur
Idiot: Marcus Signer
Alter Mann: Marcel Gurtner
Das Kind: Moritz Stalder
Pressestimmen
„Den vermeintlichen Juden (…) spielt der junge Andri Schenardi mit ebenso viel Unmittelbarkeit und Naivität wie Leidenschaft und Engagement. Die schmale, schlaksige Gestalt mit der dunklen Stimme(…) prägt sich einem in Haltung, Körpersprache und Mimik als Inbegriff einer leidenden, unschuldig verfolgten Kreatur nachhaltig und unvergesslich ein.(...) Ingo Ospelt spielt zwischen Hilflosigkeit und schlechtem gewissen den Lehrer… Den heuchlerischen Pater zeichnet Stefano Wenk mit abgründiger Komik, während Diego Valsecchi als Soldat brutal, tückisch und rücksichtslos erscheint.“
— Der Bund, 03.10.2009
„Andri Schenardi besticht in der Hauptrolle mit Präsenz und verkörpert Andri als geduldigen und mutigen Helden, den der Hass von Andorra stolz und hart gemacht hat. Das 1961 erschienene Drama hat nichts an Aktualität eingebüsst. Während das Stück damals als Kommentar auf das Neutralitätsverhalten de Schweiz im Zweiten weltkrieg verstanden wurde, lassen sich in Thoms` Inszenierung Brücken in die Gegenwart schlagen: Ich habe nie an Misshandlungen teilgenommen verteidigt sich Peider (Diego Valsecchi), der cholerische Soldat.“
— Berner Zeitung, 03.10.2009














