Premiere 23. Januar 2010
Francis Poulenc
Dialogues des Carmélites
Oper in drei Akten
Libretto vom Komponisten nach dem Drehbuch (1947)
von Georges Bernanos, Raymond Bruckberger
und Philippe Agostini in der Bearbeitung als Drama
«Dialogues des Carmélites» (1951) von Albert Béguin
und Marcelle Tassencourt
Nach der Novelle «Die Letzte am Schafott» (1931)
von Gertrud von Le Fort
Uraufführung 1957 in Mailand
In Originalsprache. Mit deutschen Übertiteln.
Videoclip hier.
Das Stück
Angst ist eines der stärksten Gefühle,sie kann vor Gefahr warnen, aber auch ein normales Leben verhindern. Ist religiöser Glauben ein Mittel gegen Lebens- oder gar Todesangst? Dieses urmenschliche Thema faszinierte Francis Poulenc auf der Suche nach einem geeigneten Opernstoff für sein Auftragswerk der Mailänder Scala. Das Libretto, voll emotional-psychologischer, aber auch historischer Brisanz, basiert auf Georges Bernanos gleichnamigem einzigen Bühnenstück. Dieses wiederum entstand nach Gertrud von Le Forts Novelle Die Letzte am Schafott aus dem Jahr 1931. Die Erzählung, geschrieben in der dunklen Zwischenkriegszeit, geht auf ein Schreckenskapitel der französischen Revolutionszeit zurück, ein Massaker an den Nonnen eines Karmeliterinnenklosters.
Poulenc selbst suchte nach dem Schockerlebnis des Unfalltods seines Freundes verstärkt religiösen Trost. Dem Komponisten gelang jedoch die musikalische Formulierung des Stoffes über eine reine «Glaubensoper» hinaus.
Aus der Sicht der furchtsamen Nonne Blanche erzählt, scheut sie die direkte Schilderung nicht, ist aber auch von tiefer Einfühlsamkeit und sensiblem Verständnis gegenüber kreatürlichen Grundschwächen geprägt. Blanche verliert durch die Konfrontation mit dem natürlichen Sterben der alten Priorin und dem Mord an ihren Mitschwestern letztlich die Angst vor dem irdischen Tod, indem sich ihr Blick auf das ewige Leben richtet.
Im Umgang mit Orchester und Gesangsstimme grenzt sich Poulenc unter Berufung auf Monteverdi, Mozart, Verdi und Mussorgski von jeglicher musikalischen Avantgarde seiner Zeit ab. Impressionistische Klangfarben und ein sprachnaher Vokalstil prägen sein Werk. Der Trauermarsch «Salve regina», mit dem die Nonnen singend zur Hinrichtung ans Schafott treten, und der veristische Schockeffekt des niedersausenden Fallbeils gegen die lärmende Revolutionshymne «Ça ira» lassen das Ende zum dramatischen Höhepunkt werden.
Den Flyer als PDF zum Ausdrucken oder Weiterschicken, finden Sie hier.
Kostprobe zu Dialogues des Carmélites
13. Januar 2010 / 18.30 Uhr / Foyer Stadttheater
Oper im Gespräch
«Blanche c´était moi»-Francis Poulenc und seine Dialogues des Carmélites
Referent: Dr. Arne Stollberg, Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern
Sa. 30. Januar 2010, 16.00 Uhr / Foyer Stadttheater /Eintritt frei
Besetzung
Aktuelle Besetzung auf der Spielplan-Seite:
Musikalische Leitung: Srboljub Dinić
Inszenierung: Bernd Mottl
Bühne: Alain Rappaport
Kostüme: Dagmar Fabisch
Choreinstudierung: Alexander Martin
Marquis de la Force: Kristian Paul
Blanche: Rachel Harnisch, Hélène Le Corre
Der Chevalier: Fabrice Dalis
Madame de Croissy, Priorin: Ursula Füri-Bernhard
Madame Lidoine, die neue Priorin: Fabienne Jost
Mutter Maria, Subpriorin: Claude Eichenberger
Schwester Constance, eine junge Novizin: Hélène Le Corre, Anne-Florence Marbot
Mutter Johanna, Dechantin: Qin Du
Schwester Mathilde: Silvia Oelschläger
Beichtvater: Andries Cloete
Erster Kommissar: Tomi Kuusisto
Zweiter Kommissar, Offizier, Kerkermeister: Erwin Hurni
Thierry: Rolf Scheider
Javelinot: Ivaylo Ivanov
Chor und Extrachor des Stadttheater Bern
Berner Symphonieorchester
Unter dem Patronat der Gesellschaft der Freunde des Stadttheaters
Pressestimmen
„Der Gesang der Walliser Sopranistin Rachel Harnisch (Blanche) ist nicht aus einzelnen Tönen gebaut, sondern aus Worten und Sätzen, denen Poulenc eine passende, klangvolle Linie geschenkt hat. Hier wird jede Phrase zu einer Aussage, da die Sängerin durch und durch versteht, was sie singt - weiss, was sie ausdrücken will.
“
— Christian Berzins , Aargauer Zeitung, 25.01.2010
„Das Berner Symphonieorchester (Dirigent Srboljub Dinic) gestaltet das zwischen geistlichem Mysterium und grosser Oper oszillierende Werk mit lebhaften Kontrasten und impulsgebenden Rhythmen. Von den sonoren Tiefen der Bassregister bis ins gleissende Flimmern der Bläser öffnet sich der dynamische Klangraum.
“
— Marianne Mühlemann , Der Bund, 25.01.2010
„Und auch ästhetisch hat die Inszenierung etwas zu bieten: Die Bühne von Alain Rappaport verlegt das Kloster stimmig ins Gebirge Karmel, wo die Nonnen in Höhlenräumen hausen.“
— Oliver Meier , Berner Zeitung, 25.01.2010
„Ihre Seelenschwester Hélène le Corre überzeugt mit ihrem glockenhellen Sopran durch kindliche Lebensfreude. In den weiteren Rollen beeindruckt Claude Eichenberger als stimmgewaltige Mère Marie. Menschliche Grösse gewinnt Fabienne Jost der Rolle der Madame Lidoine ab. Sie wird die Nachfolgerin der verstorbenen Priorin: Eine expressive Wucht, wie die Berner Sopranistin Ursula Füri-Bernhard die Dramatik dieser grandiosen Altersrolle ausfüllt.
“
— Marianne Mühlemann, Der Bund, 25.01.2010
„Die kaum angedeutete Hinrichtung der Nonnen ist zugleich ihre Erlösung: Nach einem kurzen Zucken ziehen die Getöteten ihre klobigen Bergschuhe aus, lösen ihr Haar und gehen schliesslich ohne Erdenschwere gemeinsam dem im Hintergrund aufflammenden Scheinwerferlicht entgegen.
“
— Alfred Ziltener , Bündner Tagblatt, 25.01.2010
„Fort heureusement, la tenue vocale et musicale de cette production s’avère souvent excellente. Même si parfois excessif dans ses contrastes orchestraux, Srboljub Dinic dirige avec beaucoup d’à propos un Berner Symphonieorchester heureux de vivre une si belle musique. Sur le plateau, l’inconvenance du décor n’a pas de prise sur les solistes. Musicalement bien préparés, concentrés dans l’intensité dramatique du texte, les protagonistes s’investissent avec conviction. “
— Jacques Schmitt, www.resmusica.com, 01.02.2010
„Die prägende Hauptfigur der Aufführung ist die
junge Blanche, eine Aristokratentochter, die ihre
existenzielle Angst im Kloster überwinden will.
Rachel Harnisch spielt dieses Leiden am Leben mit
grosser Identifikationsgabe und beeindruckt auch
musikalisch mit einer emotionalen Durchdringung
ihres Parts. Ihre Gegenfigur Schwester Constance
alias Helene Le Corre strahlt dagegen eine unver-
besserliche Zuversicht aus. Claude Eichenberger
als Fastpriorin Marie zeigt sich als Führungs-
persönlichkeit mit kräftiger Stimme.“
— Thomas Schacher, Neue Zürcher Zeitung, 01.02.2010
„Sehr beeindruckend wurde die abgeschottete Welt, in der die Nonnen leben, visualisiert. Die eigene, in sich gekehrte Welt wird auf der Bühne durch einen übergrossen, drehbaren Berg dargestellt. (...) Nachdem die Revolution vollends auszubrechen beginnt und die damit verbundenen Turbulenzen überhand nehmen, zerbricht der Berg in mehreren Teilen und lässt sich nie mehr so richtig zusammen fügen.(...) Gerade diese Ausdrucksweise macht diese Inszenierung so sehr glaubhaft und besonders überzeugend.“
— Marcello Paolino, Der Neue Merker, 02.02.2010
Vorstellungen
30.01.2010, 19.30–22:30 Uhr, Stadttheater
Blanche: Rachel Harnisch; Schwester Constance: Hélène Le Corre
Blanche: Rachel Harnisch; Schwester Constance: Hélène Le Corre; Mutter Johanna, Dechantin: Kathrin Koch
Blanche: Rachel Harnisch; Schwester Constance: Hélène Le Corre; Mutter Johanna, Dechantin: Kathrin Koch
Blanche: Hélène Le Corre; Schwester Constance: Anne-Florence Marbot
Blanche: Hélène Le Corre; Schwester Constance: Anne-Florence Marbot
Blanche: Rachel Harnisch; Schwester Constance: Anne-Florence Marbot; Mutter Maria, Subpriorin: Anne Salvan
Blanche: Hélène Le Corre; Schwester Constance: Anne-Florence Marbot-
Dans le cadre de la 15ème Semaine de la langue française et de la Francophonie
Musikalische Leitung: Dorian Keilhack; Blanche: Rachel Harnisch; Schwester Constance: Hélène Le Corre
Blanche: Rachel Harnisch; Schwester Constance: Hélène Le Corre
05.06.2010, 19.30–22:30 Uhr, Stadttheater
Blanche: Hélène Le Corre; Schwester Constance: Anne-Florence Marbot; Chevalier: Rolf Romei
Blanche: Hélène Le Corre; Schwester Constance: Anne-Florence Marbot; Chevalier: Rolf Romei
Musikalische Leitung: Dorian Keilhack; Blanche: Hélène Le Corre; Schwester Constance: Anne-Florence Marbot; Chevalier: Rolf Romei














