Grusswort

Meine sehr verehrten Damen und Herren 

Unser Theater hat in den letzten Spielzeiten erhebliche Veränderungen erlebt. Diese Veränderungen haben mit der Eröffnung der neuen Spielstätten in den Vidmarhallen am Beginn meiner Intendanz vor drei Jahren angefangen. Weitere und noch grösseren Entwicklungen stehen uns bevor, vor allem mit der im Projekt Musik-Theater Bern angestrebten Neudefinition der Zusammenarbeit zwischen Stadttheater Bern und Berner Symphonieorchester.

Die Neueröffnung der Spielstätten in den Vidmarhallen hat sich als Erfolg erwiesen, obwohl nicht wenige Berner dem spannenden Projekt nur geringe Chancen einräumten. Heute, und dies vor allem dank dem engagierten Einsatz des Schauspiel- und des Ballett-Ensembles sowie der Technik des Stadttheaters, sind die Vidmarhallen zu einem unverwechselbaren Spielort in der Agglomeration Bern geworden. Die Kunst stimmt, die Aufführungen sind gut besucht, viele Inszenierungen sind regelmässig ausverkauft. Damit ist  eingetroffen, was ich mir, als ich nach Bern kam, besonders gewünscht habe: Einen Ort zu etablieren, an dem ein sehr anspruchsvolles Programm im Schauspiel und im Tanz die Neugierde des Publikums weckt und Besuchergruppen anlockt, die früher das Theater gemieden haben. Dieser Anspruch gilt auch für die wegweisenden Produktionen des Musiktheaters im Stadttheater am Kornhausplatz. Neue Zuschauer für alle Sparten zu gewinnen sowie die langjährigen Besucher immer neu zu begeistern sind wichtige Aufgaben unseres Theaters.
Die notwendige Voraussetzung dafür, dass die Organisationsstrukturen zukunftsweisend sind. Die Projektgruppe Musiktheater Bern soll in den nächsten Monaten eine vollständig neue Struktur des Musiktheaters und des Konzertwesens in Bern erarbeiten. Das Stadttheater Bern und das Berner Symphonieorchester werden künftig unter einer neuen, gemeinsamen Dachorganisation mit einem einzigen, gemeinsamen Subventionsvertrag arbeiten. Wir begrüssen diesen Schritt, der dringend notwendig ist.
Die engere organisatorische Verbindung der beiden grössten Berner Kulturinstitutionen wird eine optimierte Planung der Theater- und Konzertsaison ermöglichen. Der Einsatz der künstlerischen Ressourcen des Orchesters, des Chores und des Musiktheater-Ensembles kann so organischer und effektiver gestaltet werden. Dies wird nicht nur die künstlerischen Arbeitsbedingungen des BSO und des Musiktheaters verbessern, sondern auch den Sparten Schauspiel und Tanz eine grössere dispositionelle Freiheit verschaffen.
Im Bereich der Musik- und Theaterpädagogik wird die zukünftige enge Zusammenarbeit von Berner Symphonieorchester und Stadttheater Bern sicherlich ebenfalls neue, zukunftsweisende Konzepte hervorbringen. Und letztlich erhoffe ich mir, dass die neue Organisation Musik-Theater Bern finanziell so ausgestattet sein wird, dass sie mit einer günstigeren Preispolitik Zuschauerkreisen den Theaterbesuch möglich macht, die diesen bisher wegen der hohen Eintrittspreise gescheut haben. Die Erfahrung der Vidmarhallen mit ihren moderaten Preisen zeigt, dass dies – in Verbindung mit der hohen Qualität der Produktionen – ein Mittel ist, weitere Zuschauer ins Theater zu holen. Noch ist dies Zukunftsmusik, denn bis zur endgültigen Umsetzung des Projektes Musik-Theater Bern werden weitere zwei Spielzeiten vergehen. Klassische Musik, Musiktheater, Tanz und Schauspiel gehören zu den Schätzen der europäischen Kultur. Die Pflege der Künste in städtischen Konzerthäusern, Stadttheatern und an  Festivals wird als Aufgabe des Gemeinwesens verstanden, deshalb ist im deutschsprachigen Europa eine Kulturszene entstanden, um die wir von vielen Nationen beneidet werden. In den nächsten Jahren wird es vor allem darum gehen, den Wert und das kreative Potenzial, das dieser Schatz birgt, möglichst vielen Menschen zu vermitteln.

Ein umfangreiches Programm von Veranstaltungen ergänzt den Spielplan der drei Sparten: Probenbesuche, Einführungen in Produktionen, das Programm Oper+Variationen oder das Angebot unserer Theaterpädagoginnen. Es gibt im Laufe der Spielzeit zahlreiche Anlässe, bei denen es Näheres über die künstlerische Arbeit des Stadttheaters zu erfahren gibt, und bei denen man den «Theatermachern» im direkten Gespräch begegnen kann. Das Stadttheater wird im September mit dem Festivalclub Zentrum der Biennale Bern 2010 sein. Dass die Produktionen des Stadttheaters auch über Bern hinaus Beachtung finden, davon zeugen die Einladungen des Schauspiels nach Berlin und des Balletts nach London. Die Produktion Der goldene Drache wurde zu einem Gastspiel am renommierten Deutschen Theater eingeladen, das Ballett wird erneut ein Programm am Royal Opera House zeigen. Die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fernsehen bei La Bohème im Hochhaus hat dem Musiktheater europaweit positive Aufmerksamkeit verschafft. Dies alles sind ermutigende Zeichen, dass sich das Image des Stadttheaters wandelt.

Auf der homepage finden Sie unser Angebot für die Saison 2010/11. Lassen Sie sich zu vielen anregenden Theaterbesuchen inspirieren und freuen Sie sich auf spannende und anregende Begegnungen mit den Ensembles aller drei Sparten.
Die Mitarbeiter des Stadttheaters Bern und ich freuen sich auf Ihren Besuch!

 

Marc Adam

Intendant

Marc Adam
Intendant